
GAVIAL – Thanks, I Hate It
2026 (Exile On Mainstream) - Stil: Psychedelic Blues Rock
GAVIAL legen mit ´Thanks, I Hate It´ ein Album vor, das sich anfühlt wie ein konzentrierter Blick in die vermaledeite Gegenwart. Fast fünfzehn Jahre Bandgeschichte, mehrere Häutungen und ein endgültiger Name haben dieses Quartett an einen Punkt geführt, an dem nichts mehr erklärt werden muss. Benjamin Butter, Paul-Willy Stoyan, Paul Kollascheck und Conrad Brod spielen hier als geschlossene Einheit, mit klarer Handschrift und hörbarer Lust an Groove und Rock.
Der Auftakt ´Control´ setzt sofort die Richtschnur. Ein schwer rollender Bass zieht den Song nach vorne, das Schlagzeug hält stoisch dagegen, während die Gitarren sich langsam aufladen, flackern und schließlich offen ausbrechen. Benjamin Butter singt ruhig, fast gelassen, was die wachsende Spannung noch schärfer wirken lässt. ´Koru Mindset´ schaltet einen Gang höher, getrieben von einem Motor aus Schlagzeug und Bass, während die Gitarren kurze, schneidende Figuren setzen. GAVIAL klingen entschlossen und direkt, fast ungeduldig.
´Pretender´ nimmt sich danach Zeit, lässt Riffs kreisen und kippt immer wieder in unerwartete Richtungen. Die Band wirkt hier wie ein Tier, das seine Kraft bewusst dosiert einsetzt. Mit ´Grow´ zeigen GAVIAL ihre Liebe zum Blues, allerdings ohne nostalgische Spielchen. ´Leviathan´ wirkt bedrohlicher, schwerer, fast monolithisch. Die Gitarren türmen sich übereinander, der Bass gräbt sich ein, das Schlagzeug bleibt unerbittlich.
´Wandern´, neu gedacht und neu gespielt, offenbart die Reife dieser Besetzung. Alles greift sauber ineinander, der Song fließt wie selbstverständlich, getragen von einer inneren Ruhe. Zum Abschluss wählen GAVIAL mit ´Wicked Game´ von Chris Isaak keinen einfachen Weg. Die Band zerlegt den bekannten Song nicht, sie zieht ihn in ihre eigene Welt, macht ihn dunkler, schwerer und unangenehm schön.
Thematisch ist ´Thanks, I Hate It´ eine klare Antwort auf eine Welt, die aus den Fugen geraten ist. Wieder erstarkender Militarismus, technologische Entfremdung, soziale Kälte und maßlose Gier bilden den Hintergrund, vor dem diese Musik entsteht. Der Titel klingt wie eine bittere Pointe, halb resigniert, halb trotzig, genau dort angesiedelt, wo Zynismus und Widerstand sich berühren.
Produziert im eigenen Proberaum, gemischt von Benjamin Butter und gemastert von Bernard Camillieri, klingt das Album direkt und kompromisslos. ´Thanks, I Hate It´ ist kein Kommentar aus sicherer Entfernung, sondern ein Album, das mitten im Geschehen steht. Ein starkes, selbstbewusstes Werk, das Lust auf verschwitzte Clubshows macht, auf Lautstärke, auf Aufstand, und auf eine Band, die genau weiß, warum sie das alles tut.
(8 Punkte)
https://www.facebook.com/Gavialband
(VÖ: 23.01.2026)



