
Mit ´Secret Love´ schlagen DRY CLEANING einen geschickten Seitwärtsschritt, der die Band zwischen Vertrautem und Neuem balancieren lässt.
Florence Shaws lakonischer, oft Stream-Of-Consciousness-artiger Vortrag bleibt das Herzstück des Albums, während Lewis Maynard und Nick Buxton auf Bass und Schlagzeug solide, zugleich federnde Fundamente legen und Tom Dowse zwischen rhythmischer Verankerung und melodischem Nomadentum oszilliert.
Cate Le Bons Produktionshand fügt dem Ganzen eine leicht erneuerte Textur hinzu, die dem vertrauten Post Punk-Ansatz neue Schichten verleiht.

Schon der Opener ´Hit My Head All Day´ lotet aus, wie unsere Identitäten durch Marketingstrategien und kapitalistische Zwänge geformt werden. Shaws ambivalentes „I simply must have experiences“ vermittelt zugleich Lust am Leben und die Unfähigkeit, einfach still zu sein.
Darauf folgen Stücke wie ´Cruise Ship Designer´ und ´Blood´, die zwischen müdem Fatalismus und texturierter Instrumentierung oszillieren – ein Kosmos, in dem das Menschliche weniger durch Absicht als durch soziale, ökonomische und genetische Kräfte definiert wird.
Der Titelsong und ´My Soul / Half Pint´ verbinden Sprechgesang mit verspielten Gitarrenläufen und rhythmischen Sprüngen, und Shaw beobachtet die Welt dabei mit distanzierter Neugier, zwischen Selbstreflexion, leiser Resignation und subtiler Ironie.
Mit ´Rocks´ oder ´The Cute Things´ zeigen sich die Briten dann überraschend verspielt, während ´Joy´ den Abschluss in einem abrupten, dennoch angenehmen Ton findet.
´Secret Love´ mag zwar weniger die paradoxen Spannungen von ´New Long Leg´ oder ´Stumpwork´ ausloten, doch es ist ein Album, das subtil mit Identität, Alltagsritualen und der Absurdität moderner Lebensweisen spielt.
Für Fans der Band eröffnet es neue Facetten und kleine Überraschungen, ohne die vertraute, lakonische Essenz zu verlieren – ein Album, das man aufmerksam hören sollte, um in seinen leisen Schichten zu verweilen.
(8 Punkte)
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Pic: Max Miechowski



