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WYTCH HAZEL – V – Lamentations

2025 (Bad Omen Records) - Stil: Hardrock

Neun Jahre sind nun vergangen, seit Colin Hendra und seine Mitstreiter aus Lancaster mit ´Prelude´ ihr Debütalbum vorgelegt haben. Vier Alben und eine stetig wachsende Fangemeinde später präsentieren WYTCH HAZEL mit ´V: Lamentations´ den nächsten Teil ihres einzigartigen Musikkanons.

Fünf Kapitel in neun Jahren sind eine beeindruckende Bilanz für eine Band, die unbeirrt ihrer Vision folgt, auch wenn die Zeiten der Megaseller längst vorbei sind. Colin Hendra weiß genau, dass seine Mischung aus Hard Rock, Heavy Metal und Folk keinen “Royal Albert Hall”-Ausverkauf garantiert. Aber genau das macht den Charme von WYTCH HAZEL aus. Rundheraus komponieren sie mit Herz und Seele und spielen Melodien und Lieder, die sie lieben.

Optisch und musikalisch fallen WYTCH HAZEL auch aus dem Rahmen. Mit ihren sackartigen, fast mittelalterlichen Gewändern, mit ihren Kutten und einem riesigen Kreuz auf der Brust, das sogar richtig herum hängt, brechen sie mit allen Heavy Metal-Klischees. Musikalisch sind sie wie kaum jemand in diesen Tagen in den frühen Jahren der New Wave of British Heavy Metal verwurzelt, denn sie vermischen diesen Einfluss mit dem Classic Rock, Folk Rock und Progressive Rock der Siebzigerjahre.

´V: Lamentations´ schlägt daher erneut völlig souverän eine Brücke zwischen Tradition und Moderne, die sofort an einige Helden der Vergangenheit erinnert, ohne die eigene Identität von WYTCH HAZEL zu verwässern. Der Opener ´I Lament´ startet dementsprechend aufsehenerregend. Heroischer Gesang und eine gewisse Eingängigkeit treffen auf einen tiefgründigen, fast schon düsteren Text. Doch das Werk fordert diesmal Geduld und Aufmerksamkeit. Die Songs sind keine schnellen Hook-Sammler. Viele Kompositionen besitzen komplexere Strukturen als zuletzt und bieten überraschende Wendungen. Bei WYTCH HAZEL wird nämlich noch komponiert, arrangiert und erzählt.

´Run The Race´ zieht anschließend mit Galloppriffs das Tempo an, ist ein mitreißender Hardrocker, der die Tür zu einem tieferen Erleben offenlässt. ´The Citadel´ macht eine fast majestätische Verbeugung vor dem Prog Rock vergangener Tage, mit reduzierten Instrumenten und beschwörendem Gesang. ´Elements´ ist wieder flotter, samt dynamischem Geschrammel und einem Gitarrensolo, das im Ohr bleibt.

´The Demon Within´ kombiniert Akustikgitarren, schwelgerische Keyboards und hymnische Refrains. Dieses auserlesene Stück offenbart sich erst in seiner Gänze, wenn man bereit ist, tiefer einzutauchen. Das kurze Instrumental ´Elixir´ setzt eine verspielte, psychedelische Duftmarke, bevor ´Woven´ zurück in den härteren Rock führt, bei dem traditionelle Metal-Elemente mit einem Retro-Vibe verschmelzen. ´Heavy Load´ bildet die melancholische Lagerfeuerstimmung des Albums, in einer düsteren Grundstimmung, die sich in jedem Ton fortsetzt.

Mit ´Healing Power´ endet ´V: Lamentations´ hymnisch und metallisch. Colin Hendra bekundet damit abermals, dass Musik für ihn mehr als reine Unterhaltung ist. Sie ist Kraft zur Heilung, ein Ausdruck tief verwurzelten Glaubens. Diese spirituelle Dimension unterscheidet WYTCH HAZEL von vielen ihrer Zeitgenossen. Der Glaube zeigt sich hier nicht als Dogma, sondern als authentische, natürliche Ausdrucksform, getragen von Hoffnung und Trost, ohne jemals zu moralisieren.

Colin Hendras Stimme ist voller Tiefe, Kraft und Emotion und wächst mit jedem Song. Die filigrane Gitarrenarbeit, die eingängigen, aber oft verschachtelten Melodien und die ausgefeilten Arrangements zeigen eine Band, die sich über Jahre eine unverwechselbare Nische geschaffen hat. Colin Hendra ist ein echter Visionär, der seit Jahren unbeirrt seine musikalische Mission verfolgt und dabei Alben schafft, die in ihrer Qualität und Emotionalität ihresgleichen suchen.

´V: Lamentations´ ist ein in sich geschlossenes Werk von hoher Qualität, das durch seine emotionale Tiefe und die ehrliche Vision von Colin Hendra überzeugt. Es ist ein weiterer Etappensieg. Die Kombination aus Retro-Elementen, moderner Produktion und tiefgründiger spiritueller Botschaft lässt dieses Werk abermals in der aktuellen Szene gegenüber allen anderen herausstechen.

Wer bisher noch nicht mit WYTCH HAZEL in Berührung kam, sollte daher diese Gelegenheit nutzen, um eine der spannendsten Bands der letzten Jahre kennenzulernen. ´V: Lamentations´ ist eine Einladung in eine Welt, in der Tradition und Moderne verschmelzen – und in der Musik noch eine Seele hat.

Langsam anwachsende 8,5 Perlen am Rosenkranz.

https://wytchhazel.bandcamp.com/album/v-lamentations
https://www.facebook.com/wytchhazel

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