
CAFÉ – Café
1974/2024 (Craft Recordings/Vaya Records) - Stil: Latin, Funk, Jazz, Soul
Ein Blick in die Archive von “Fania Records” ist immer ein Versprechen auf musikalische Schätze. Aber was das einzigartige Projekt CAFÉ bietet, übertrifft selbst diese Erwartungen. Produziert vom unvergessenen Ray Barretto, der sich hier noch einmal als neugieriger Klangforscher zeigt, erschien das einzige Album der New Yorker Band ursprünglich 1974 auf dem “Fania”-Sublabel “Vaya Records”. Seither ist dieses fantastische Projekt gänzlich in Vergessenheit geraten und nie wieder aufgelegt worden. Doch gerade das macht seine Wiederentdeckung umso wertvoller und elektrisierender. Denn nun erscheint ´Café´ zum 50-jährigen Jubiläum erstmals wieder auf Vinyl.
Die Band war ein septettartiges Kollektiv aus New Yorker Musikern mit Wurzeln in der Salsa-Szene und darüber hinaus: Jeff Chaumont (Gesang, Bass), Julio Gonzalez (Gesang, Gitarre), Daniel Zaremba (Piano), Oscar Salas (Drums), Nelson “Flako” Padron (Timbales, Congas), Ian Hilton (Saxofon, Flöte) und Ronnie Tooley (Trompete), der zuvor mit Größen wie James Brown oder Jaco Pastorius arbeitete. Unterstützt wurde die Band von ebenso hochkarätigen Gästen wie Luis “Perico” Ortiz (Tito Puente), Justo Almario (COMMODORES, Chaka Khan) und Hector Veneros (Mongo Santamaría). Ein Line-up, das nur darauf wartete, in Flammen aufzugehen.
Und das tat es. ´Café´ klingt wie der Moment, in dem sich die Straßen Harlems mit der Hitze des Latin im Funk der Bronx vereinen. Schon der Opener ´Sí Dame Tu Amor´ weist einen funkgetränkten Groove mit wilden Bläsern und jener rhythmischen Dringlichkeit auf, wie sie nur in Ray Barrettos Umfeld entstehen konnte. Es folgt ´Search For Love´, das sich mit seinem dramatisch schwelenden Piano- und Flötenspiel, beinahe im Sinne des 70s Prog Rock, in das sechsminütige ´Identify Yourself´ hineinsteigert, ein grandioses Jazz-Funk-Inferno mit messerscharfer Präzision und fiebriger Spielfreude an den Bläsern.
Höhepunkt auf Höhepunkt steht jetzt ´I Like To Be With You´ an, lässig, melancholisch und mit souligen Harmonien, sowie anschließend ´Move And Groove´, das den Hörer augenblicklich in einen schwülen New Yorker Sommerabend zurückversetzt.
Die B-Seite führt diese Reise mit ´But Once I Loved You´ fort, einem schwer nach Latin klingenden Stück mit tief empfundener Melancholie, jedoch niemals kitschig, wie die Solo-Darbietungen bezeugen. ´Siempre Más Y Más´ wiederum atmet puren Groove, während ´Someday´ sonnig auf einem Hammond-Organ daherkommt. ´Don’t Let Me Cry Again´ schließt mit großen 70s Gefühlen an diesen Soulfaden an, ehe ´My Chance Is Due´ das Album mit einem leichten Gefühlschaos ausklingen lässt.
Musikalisch bewegen sich CAFÉ ungefähr zwischen den Polen von SANTANA, BLOOD, SWEAT & TEARS und den FANIA ALL STARS, aber das allein wird dem Album nicht gerecht. Was CAFÉ auszeichnet, ist die völlige Hingabe an das Arrangement, das Gefühl, diese Musik leben zu wollen.
Dass diese Gruppe keine längere Karriere hatte, ist kaum zu glauben. Vielleicht war es ein einmaliges Studioprojekt, vielleicht eine kurzlebige Live-Formation, aber immerhin haben sie ein kleines Erbe hinterlassen.
Nun ist ´Café´ endlich und in bestmöglicher Qualität wieder zu hören. Die Neuauflage erscheint auf 180g Vinyl, audiophil geschnitten von Kevin Gray bei “Cohearent Audio” direkt von den originalen Masterbändern (AAA).
Diese Edition ist daher nicht nur ein Geschenk an Sammler, sondern vor allem an jene, die spüren wollen, wie Latin-Funk in den 1970ern ausgesehen hat, wenn er auf höchstem Niveau und mit glühender Seele gespielt wurde.
Vielleicht ein vergessenes Kleinod. Aber vor allem ein echter Schatz.
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