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NEUROSIS – An Undying Love In A Burning World

2026 (Neurot Recordings) – Stil: Post-Metal/Atmospherec Sludge Metal/Post-Hardcore

Mit ´An Undying Love For A Burning World´ melden sich NEUROSIS nach einem Jahrzehnt eindrucksvoll zurück – nicht als nostalgische Wiederkehr, sondern als konsequente Fortschreibung ihrer künstlerischen Identität.

Die Band selbst spricht nicht von einer Reunion, sondern vom Ende einer Phase des Stillstands. Diese Haltung durchzieht das gesamte Album: Es ist weniger Rückblick als Transformation.

Der Einstieg mit den Schreien in ´We Are Torn Wide Open´ verzichtet auf atmosphärisches Vorgeplänkel und formuliert in knapp einer Minute eine existenzielle Dringlichkeit, die das Fundament für das Folgende legt. ´Mirror Deep´ entfaltet daraufhin eine eruptive Dynamik, die an die rohe Intensität der mittleren Neunziger erinnert, zugleich aber mit differenzierter Struktur und klanglicher Weite operiert.

Überhaupt gelingt es der Band bemerkenswert souverän, Extreme auszubalancieren: harsche Dissonanzen stehen neben kontemplativen Passagen, eruptive Gewalt neben beinahe spiritueller Versenkung.

Ein entscheidender Faktor dieser klanglichen Neujustierung ist Aaron Turner (SUMAC). Seine Präsenz wirkt nicht wie ein Ersatz, sondern wie eine Erweiterung des Ausdrucksspektrums. Besonders in ´First Red Rays´ oder ´Blind´ entsteht durch das Wechselspiel mit Steve Von Till eine produktive Reibung, die den Songs zusätzliche Tiefe verleiht. Turner agiert dabei weniger als Ergänzung denn als Gegenpol – eine Spannung, die das Material strukturell auflädt.

Im ausgedehnten Schlussteil zeigt sich die Band schließlich in Hochform. ´In The Waiting Hours´ entwickelt sich mit geduldiger Konsequenz zu einem monolithischen Höhepunkt, während ´Last Light´ die ästhetischen Konstanten von NEUROSIS bündelt: tribalistische Rhythmen, ambienthafte Ausläufer und eine physisch spürbare Klangdichte. Dass dieses Finale nicht vollständig kathartisch auflöst, sondern eine gewisse Unruhe konserviert, wirkt dabei eher programmatisch als unvollständig.

Thematisch kreist das Album um Entfremdung, Resilienz und die Suche nach Sinn in einer fragmentierten Welt. Diese Motive sind nicht neu, werden hier jedoch mit einer Klarheit formuliert, die dem Werk zusätzliche Dringlichkeit verleiht.

´An Undying Love For A Burning World´ ist kein radikaler Bruch, sondern eine präzise Weiterentwicklung – ein Album, das Vergangenheit integriert, ohne sich von ihr begrenzen zu lassen.

(8,5 Punkte)

https://www.facebook.com/officialneurosis


Pic: Bobby Cochran

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