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GANGAR – Dreng

2026 (Heilo / Galileo-MC) - Stil: Nordic Folkrock / Folk Prog Metal

Mit ´Dreng´ legen GANGAR ein zweites Album vor, das den eigenen stilistischen Ansatz konsequent erweitert. Die Band aus Oslo hat sich seit ihrem Debüt in kurzer Zeit als eigenständige Stimme etabliert, getragen von der Hardanger-Fidel von Mattias Truell Thedens, die hier mit spürbarer Entschlossenheit durch ein Geflecht aus Rock, Prog und metallischer Schwere geführt wird.

Die Wurzeln reichen tief in die norwegische Folklore, doch die Umsetzung wirkt modern und gegenwärtig. Alte Tanzweisen, Arbeitslieder und überlieferte Melodien werden nicht behutsam nacherzählt, sie werden unter Strom gesetzt. Gitarrist Richard Max legt massive Riffs unter die traditionellen Themen, während Oskar Goedvriend Lindberget mit Saxophonpassagen immer wieder zusätzliche Farben in das Klangbild fügt.

´Fjukan Rjukan´ ist ein schneller, treibender Auftakt, in dem die Fidel scharf geschnittene Melodien spielt, während darunter ein harter Rock-Beat marschiert. ´Stabb-marsj´ greift eine Marschstruktur auf und überführt sie in einen heftigen Rock-Song, in dem die Fidel das Thema mit Nachdruck vorträgt.

´Murukleiven II´, getragen von Tuva Syvertsens Stimme, lebt von einem intensiven Wechsel aus traditioneller Melodie und schwerem Bandfundament, das sich gegenseitig immer weiter auflädt. Das kurze ´Hvem Karl Seglem Foruten Vind?´ bringt mit dem Bukkehorn von Karl Seglem eine archaische Farbe ins Spiel. Doch ´Bom Bom´ bringt wieder harte Rhythmen und unerwartete Wendungen zum Vorschein.

´Eg Er Liten´, eingesungen von Bare Egil, schlägt mit ac/dc’schem, kraftvollem Classic Rock-Riffing wieder einen rauen Folk-Ton an. ´Skomakerhallingen´ ist hernach ein meshuggah’scher vertrackter, technisch anspruchsvoller Song sowie deutlich härter und ´Fire In The Hole!´ wirkt wie ein kurzer, metallischer Ausbruch, schnell und direkt, während ´Marta Johannes´ zum Saxophon fast tool’sche Beschwörungstänze aufführt.

Mit ´Bånsull´ folgt die besungene Bearbeitung eines Wiegenlieds, bei der die Fidel die Führung übernimmt. Danach folgt der tanzorientierte Song ´Vossavalsen´, der die Verbindung von Tradition und schwerem, gar metallischem Rock besonders deutlich macht. ´Ævtro´ beschließt das Album mit einem kurzen Ausbruch, um die zuvor aufgebaute Energie vollständig zu entladen.

´Dreng´ wirkt wie ein selbstbewusstes Gesellenstück. Die Band greift tief in die Tradition und formt daraus ein modernes, kraftvolles Album, das sich zwischen Folk, Rock, Metal und Prog frei bewegt. Die Gäste erweitern dabei das Klangspektrum sinnvoll. Die Stücke von ´Dreng´ sind prägnant und bleiben im Kopf, getragen von starken Melodien und einer klaren Spielweise.

(8 Punkte)

https://www.facebook.com/gangarband


(VÖ: 10.04.2026)
Pic: Anine Desire

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