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CORROSION OF CONFORMITY – Good God / Baad Man

2026 (Nuclear Blast) – Stil: Southern Metal/Stoner Rock/Psychedelic Rock/Sludge Metal

CORROSSION OF CONFORMITY sind für mich sowas wie das perfekte Beispiel für ein musikalisches Chaos. Radikale Stilwechsel, ständige Änderungen im Lineup oder Rotationen, ein qualitativ höchst durchwachsener Albumoutput – aber eben auch einige wirklich geniale Werke!

´Eye For An Eye´ und ´Animosity´ gehören zweifellos zu den frühen Meisterwerken des Hardcore Punk, und aus der folgenden Stoner Rock/Southern Metal-Ära stechen vor allem ´Wiseblood´ und ´In The Arms Of God´ eindeutig hervor.

´Good God / Baad Man´ erscheint nun nach der längsten Albumpause von acht Jahren – und genau diese Zeit hört man dem Album in jeder Nuance an. Es wirkt, als hätten sich alle stilistischen Fäden der Band über Jahre hinweg verdichtet, neu sortiert und schließlich in einem einzigen, hochkonzentrierten Ausbruch entladen.

Statt Routine oder Selbstwiederholung liefert das Album eine fast schon überladene kreative Energie, die gleichermaßen gereift wie unberechenbar wirkt – im besten Sinne.

Der Opener ´Good God (Final Dawn)´ entfaltet dann einen düsteren, rituellen Klangstrom zwischen Doom und Post Metal. Statt klassischer Riffs dominiert Atmosphäre: langsam modulierte Harmonien, viel Raum, subtile Steigerung und eine beinahe tranceartige Verdichtung.

´You Or Me´ setzt diesen Fluss konsequent fort und wirkt dabei fokussiert und songorientiert zugleich. Traditioneller Hard Rock trifft auf riffbasierten Heavy Metal, getragen von direkten Powerchords und einem klaren, nach vorn gerichteten Groove mit hymnischer Kante.

´Gimme Some Moore´ ist hingegen purer Southern Metal im C.O.C.-Gewand. Bluesige Skalen, lässiger Swing und warme Gitarren erzeugen eine fast jamartige Leichtigkeit mit rauem Kern.

´The Handler´ zieht dann das Tempo wieder runter. Tief gestimmte Riffs, schleppender Puls und massive Schwere formen einen bedrohlichen, fast physisch wirkenden Sludge Metal-Song. ´Bedouin’s Hand´ öffnet den Raum danach komplett: ein instrumentales, psychedelisches Klangbild ohne Riffdominanz, das auf Textur, Atmosphäre und meditative Entwicklung setzt.

Das anschließende ´Run For Your Life´ ist eines der klaren Albumhighlights und  verbindet Southern-Groove mit metallischer Erdigkeit. Reduzierte Riffs und rollender Midtempo-Flow erzeugen eine rohe, aber kontrollierte Energie.

´Baad Man´ startet schließlich die zweite Hälfte des Albums und zeigt sich kantig und unruhig. Versetzte Grooves, bluesige Härte und der raue Gesang von Pepper Keenan formen einen nervösen, ungeschliffenen Hard-Southern-Hybrid. ´Lose Yourself´ treibt stärker in Richtung Psychedelic Rock, wobei schwebende Akkorde und zurückgenommene Dynamik einen introspektiven, geradezu tranceartigen Zustand erschaffen.

´Asleep On The Killing Floor“ ist dann wieder reiner Sludge-Druck: dissonante Riffs, schleppende Rhythmen und aggressive Vocals verdichten sich zu einer alles erdrückenden Masse. Das verspielte ´Handcuff County´ balanciert zwischen Southern Rock und Heavy Groove – warm, erzählerisch und organisch, mit subtiler Härte unter der Oberfläche.

Die zweite Hälfte entwickelt sich insgesamt zu einem echten Groove-Wonderwheel: locker, erdig und rhythmisch variabl, aber nie ohne die typische Schwere von CORROSION OF CONFORMITY. Genau hier entfaltet das Album seine größte Stärke – diese Mischung aus Druck, Swing und organischer Bewegung, die ständig in neue Richtungen kippt, ohne den Kern zu verlieren.

Jeder Song wirkt wie ein eigenes Zahnrad in einem größeren, rotierenden System aus Southern Rock, Sludge und psychedelischer Weite.

´Swallowing The Anchor´ wirkt dann wieder eher melancholisch und atmosphärisch, mit einem reduzierten Groove, wobei viel atmosphärischer Raum und eine resignative Grundstimmung den Song besonders stark prägen. ´Brickman´ bildet als einzige Ballade einen ruhigeren Gegenpol und wirkt im Kontext des Albums etwas glatter und weniger zwingend.

´Forever Amplified´ setzt schließlich den Schlusspunkt: ein langsam kriechender Sludge-Beginn, der sich über sieben Minuten in stampfenden Stoner Rock verwandelt. Der Song wächst organisch, baut Spannung über Repetition und Dynamik auf und wirkt wie ein kontrolliert ausbrennendes Finale.

´Good God / Baad Man´ ist ein bewusst vielschichtiges Statement voller Kontraste, das seine Stärke gerade aus dieser stilistischen Vielfalt bezieht. Was zunächst fragmentiert wirkt, entfaltet sich im Verlauf als erstaunlich geschlossenes Gesamtbild.

Es ist nicht weniger als eines der herausragenden Rockalben des neuen Jahrtausends – eine regelrechte Gourmetreise durch die Musikgeschichte, die Sludge, Southern Rock, Psychedelic und Heavy Metal organisch miteinander verbindet.

(9,5 Punkte)

https://www.facebook.com/corrosionofconformity


(VÖ: 03.04.2026)

Pics: Danin Drahos

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