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AXEL RUDI PELL – Ghost Town

2026 (Steamhammer) – Stil: Heavy Metal/Hardrock/Power Metal

Mit ´Ghost Town´ legt AXEL RUDI PELL ein weiteres Kapitel in einer bemerkenswert konstanten Karriere vor. Seit Ende der 80er bewegt sich der Bochumer Gitarrist stilistisch in klar definierten Bahnen – und genau darin liegt sowohl die Stärke als auch die Limitation dieses Albums.

Überraschungen bleiben aus, doch handwerklich bewegt sich das Material durchweg auf gutem Niveau.

Der Einstieg folgt der vertrauten Dramaturgie: ein stimmungsvolles Intro, gefolgt von einem gitarrengetriebenen Opener. ´Guillotine Walk´ wirkt dabei jedoch weniger zwingend als frühere Auftakte, insbesondere der überfrachtete Refrain nimmt dem Song die notwendige Souveränität.

Deutlich interessanter gerät ´Breaking Seals´, das mit markanten Riffs und einer ungewöhnlichen vokalen Konstellation aufwartet. Der Kontrast zwischen rauer Aggression und melodischer Klarheit sorgt hier für Reibung – nicht durchweg stimmig, aber reizvoll.

Im weiteren Verlauf findet das Album zu jener Form, die Pell seit Jahren kultiviert: Midtempo-Stücke mit dunkler Patina, getragen von Johnny Gioelis ausdrucksstarker Stimme.

´Ghost Town´ überzeugt als atmosphärisch dichter Titeltrack, während ´The Enemy Within´ mit seiner unterschwelligen Bedrohlichkeit zu den stärkeren Momenten zählt.

Auffällig ist die bewusste Reduktion auf Songdienlichkeit – technische Exzesse werden zugunsten von Struktur und Stimmung zurückgestellt.

Die zweite Albumhälfte punktet mit größerer Geschlossenheit. ´Steps Of Stone´ variiert bekannte Muster, gewinnt jedoch durch ein gelungenes Arrangement, während ´Higher Call´ als epischer Schlusspunkt überrascht: lang, aber frei von überflüssigem Ballast, mit klug gesetzten Spannungsbögen und vokaler Präsenz.

´Ghost Town´ ist kein Wendepunkt, sondern eine präzise Ausformulierung des Bekannten. Wer Vielfalt oder Innovation sucht, wird hier kaum fündig. Wer jedoch die Kontinuität und das Gespür für eingängige, solide komponierte Hardrock-Stücke schätzt, erhält ein rundes, gut produziertes Album.

(7,5 Punkte)

https://www.facebook.com/axelrudipellofficial


Pic: Kai Hoffmann

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