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HEAVEN & HELL – Breaking Out Of Heaven (2007 – 2009)

2026 (BMG Rights Management) - Stil: Heavy Metal

´Breaking Out Of Heaven 2007–2009´ bündelt ein spätes Kapitel, das lange wie ein Nachhall auf die Ronnie James Dio-Ära bei BLACK SABBATH wirkte und sich schließlich als eigenständige Phase behauptete. Was hier dokumentiert wird, beginnt Mitte der Nullerjahre fast beiläufig und wächst innerhalb kurzer Zeit zu einer der kraftvollsten Comeback-Bewegungen im Heavy Metal.

Ausgangspunkt ist die Zusammenstellung ´The Dio Years´, die Rhino Records initiiert. Tony Iommi, Geezer Butler, Ronnie James Dio und Vinny Appice finden für neue Songs wieder zusammen, zunächst ohne größere Absichten. Die Chemie stellt sich allerdings sofort ein. Aus wenigen Aufnahmen entsteht eine Dynamik, die direkt auf die Bühne drängt. Der Name HEAVEN & HELL wird bewusst gewählt, um die Verbindung zur Dio-Ära von BLACK SABBATH klar zu benennen und zugleich eine eigene Identität gegenüber der aktiven BLACK SABBATH-Besetzung mit Ozzy Osbourne zu bewahren.

Die folgenden Tourneen zeigen eine Band, die mit erstaunlicher Entschlossenheit spielt. Alte Stücke gewinnen an Kontur, das Zusammenspiel wirkt fast kämpferisch. Diese Energie führt konsequent ins Studio. In den “Rockfield Studios” in Wales entsteht 2008 ein Album, das kein Recycling betreibt, sondern wie eine Fortsetzung wirkt, die nie unterbrochen war.

Mit ´The Devil You Know´ liegt schließlich das einzige Studioalbum dieser Phase vor. Es erscheint 2009, erreicht hohe Chartplatzierungen und wird zugleich zum letzten vollständigen Studiozeugnis von Ronnie James Dio. Seine Stimme steht hier in voller Kraft, mit dieser unverwechselbaren Mischung aus Pathos und Stärke.

Der Einstieg mit ´Atom And Evil´ ist ein langsamer, schwerer Doom-Track, getragen von massiven Riffs von Tony Iommi, während Geezer Butler eine dunkle Bassfigur darunter legt. Ronnie James Dio erzählt von Macht und Zerstörung. ´Fear´ bleibt fest im schweren Groove verankert. Das Riff wirkt kompakt, während Ronnie James Dio die Angst vor dem Unbekannten greifbar macht, ohne ins Theatralische zu kippen.

´Bible Black´ beginnt fast balladesk, bevor der Song mit einem harten Riff abrupt explodiert. Inhaltlich kreist alles um eine dunkle Obsession, die sich langsam festsetzt und schließlich alles dominiert. Mit ´Double The Pain´ rückt der Bass stärker nach vorn. Geezer Butler eröffnet den Song mit einem markanten Motiv, das sich durch das gesamte Stück zieht. Die Gitarren setzen punktgenau ein, während der Text das Thema Verrat mit klaren Bildern beschreibt.

´Rock And Roll Angel´ bringt mehr Melodie ins Spiel. Tony Iommi legt ein singendes Solo über einen klassischen Heavy Rock-Unterbau, Ronnie James Dio phrasiert mit spürbarer Leichtigkeit. ´The Turn Of The Screw´ arbeitet mit einem schleppenden Rhythmus, der die Spannung Schritt für Schritt erhöht. Der Song beschreibt dementsprechend eine Situation, die sich immer weiter zuspitzt.

´Eating The Cannibals´ ist hingegen ein schneller, aggressiver Track, der sich klar vom restlichen Material absetzt. Die Gitarren schneiden schärfer, das Schlagzeug treibt voran und Ronnie James Dio singt davon unbeirrt in gewohnter Klasse. ´Follow The Tears´ führt zurück in dunklere Gefilde. Eine Orgel eröffnet das Stück. Danach setzt ein schwerer, langsamer Rhythmus ein, während der Text tiefe Einsamkeit beschreibt.

´Neverwhere´ bringt noch einmal Bewegung ins Geschehen. Ein geradliniger Heavy Metal-Song, kompakt und direkt. Die Band agiert hier besonders geschlossen, das Zusammenspiel greift nahtlos ineinander. Den Abschluss bildet ´Breaking Into Heaven´. Ein längeres, episches Stück, das langsam aufgebaut, und von Ronnie James Dio mit ruhiger Autorität bis zum Ende geführt wird.

Dieses Album zeigt eine Band, die ihre eigene Geschichte kennt und daraus neue Kraft zieht. Die Produktion bleibt bewusst organisch, nichts wirkt überarbeitet oder geglättet. Tony Iommi liefert einige seiner markantesten späten Riffs, Geezer Butler sorgt für ein stabiles Fundament, Vinny Appice spielt präzise und kraftvoll, während Ronnie James Dio diesem Werk seine unverwechselbare Stimme schenkt.

Als Studio-Teil der Werkschau ´Breaking Out Of Heaven 2007–2009´ steht ´The Devil You Know´ für eine Phase, in der aus einer geplanten Rückschau ein eigenständiges Spätwerk entsteht, das sich mit voller Wucht neben die Klassiker dieser Besetzung stellt.

´Breaking Out Of Heaven 2007–2009´ öffnet seine Pforten aber auch für die Liveaufnahmen, die den Herzschlag der Reunion spürbar machen. Die Tourneen zwischen 2007 und 2009 verbinden tiefe Kameradschaft, Humor und gelegentliche Reibereien, die entstehen, wenn Legenden wie Ronnie James Dio, Tony Iommi, Geezer Butler und Vinny Appice wieder gemeinsam auf Reisen gehen. Die Idee für ein neues Studioalbum entstand während der Japan-Tour fast beiläufig bei einem gemeinsamen Abendessen; ein ausgelassener Vorschlag von Tony Iommi wurde sofort begeistert aufgenommen und führte zur Aufnahme von ´The Devil You Know´.

Die Band verzichtete live konsequent auf Songs aus der Ozzy-Ära und konzentrierte sich ausschließlich auf die Dio-Phase von BLACK SABBATH sowie auf das neue Material, wodurch sich HEAVEN & HELL eine eigene Identität bewahrte. Höhepunkte der Reunion waren die „Metal Masters“-Tour 2008 mit JUDAS PRIEST, MOTÖRHEAD und TESTAMENT, wo die Musiker jeden Abend versuchten, sich zu übertreffen, und der legendäre Auftritt beim “Wacken Open Air” 2009, der Ronnie James Dio kurz vor der Bekanntgabe seiner Erkrankung auf dem Höhepunkt seiner Kunst zeigt.

Der erste zentrale Live-Moment ist der triumphale Auftritt am 30. März 2007 in der “Radio City Music Hall”. Innerhalb von Minuten ausverkauft, verwandelte das edle Art-déco-Ambiente sich unter den massiven Riffs von Tony Iommi in eine fast religiöse Kulisse. Die Band spielte Klassiker wie ´Children Of The Sea´, ´Die Young´ und eine über 15-minütige Version von ´Heaven And Hell´ sowie die neuen Songs ´The Devil Cried´, ´Shadow Of The Wind´ und ´Ear In The Wall´, die zum ersten Mal live zu hören waren. Dio füllte den Saal mit seiner Präsenz, während Iommi und Butler den massiven Sound mit stoischer Präzision stützten. Die Show wurde professionell aufgezeichnet und erschien später auf DVD und CD als ´Live From Radio City Music Hall´, die sofort Goldstatus erreichte. Die Vinylfassung dieses Auftritts feiert nun ihr Debüt in der Box.

Das zweite Live-Highlight bildet der Auftritt beim “Wacken Open Air” am 30. Juli 2009. Vor über 75.000 Fans zeigt sich die Band in maximaler Ausdrucksstärke. Songs wie ´Bible Black´ und ´Follow The Tears´ fügen sich nahtlos zwischen die Klassiker ein, die Pyrotechnik und Videoleinwände verstärken die epische Wirkung. Tony Iommis Gitarren entfalten hier die volle Wucht der „Wall of Sound“, während Ronnie James Dio die Bühne mit seiner stimmlichen Autorität dominiert. Der Auftritt wurde später als ´Neon Nights: 30 Years Of Heaven & Hell´ auf DVD/Blu-ray veröffentlicht und dokumentiert das letzte große Livekapitel der Bandgeschichte mit Dio.

Die ´Breaking Out Of Heaven 2007–2009´-Box bietet erstmals die vollständige “Radio City Music Hall”-Performance auf Vinyl sowie acht Tracks, die ihr Vinyl-Debüt feiern, darunter ausgewählte Studioaufnahmen von ´The Dio Years´ und besondere Live-Momente. Die Blu-ray erweitert das Set mit den Videos von „Live From Radio City Music Hall“ und „Neon Nights“, wodurch Fans die Intensität dieser Ära in Bild und Ton erleben können.

Dieser Live-Teil von ´Breaking Out Of Heaven 2007–2009´ macht die Tournee zu einem lebendigen Erlebnis, bei dem jeder einzelne Ton die Geschichte dieser späten Phase von HEAVEN & HELL erzählt. Er ist eine Brücke zwischen der rauen Live-Energie und der schweren, doomigen Präzision des Studioalbums und zeigt die Band in ihrer kompletten, epischen Dimension.

Das Boxset ´Breaking Out Of Heaven 2007–2009´ ist die ultimative Hommage an das späte Meisterwerk von Ronnie James Dio und Tony Iommi. Es dokumentiert die kreative Kraft einer Band, die eigentlich schon Geschichte war, und verbindet die euphorische Energie der Reunion in der “Radio City Music Hall” 2007 mit der düsteren Wucht des Studioalbums ´The Devil You Know´ und dem epischen Abschied in “Wacken” 2009. Die Sammlung zeigt HEAVEN & HELL in voller musikalischer Reife: majestätische Schwere, Dio als unvergleichlichen Erzähler, Tony Iommi mit unerschütterlicher Gitarrenpower. Der Übergang vom glasklaren Live-Sound in New York zur tonnenschweren Doom-Ästhetik des Studios macht die Box zu einer faszinierenden Reise durch moderne Heavy Metal-Ästhetik. Wer verstehen will, warum Ronnie James Dio als die größte Stimme des Genres gilt, findet hier alle Beweise – von der ersten Note bis zum letzten Applaus. Ein unverzichtbares Dokument, das zeigt, dass Legenden im Alter nicht leiser werden, sondern tiefer und mächtiger klingen.

https://www.facebook.com/HeavenandHell


Pic. Chapman Baehler
(VÖ: 27.03.2026)

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