
MAGMA – Theusz Hamtaahk – Trilogie Au Trianon
2000/2025 (Music On Vinyl / Artone Label Group / Seventh Records) - Stil: Zeuhl
Mit MAGMA und der monumentalen ´Theusz Hamtaahk – Trilogie Au Trianon´ erscheint 2025 erstmals ein Live-Dokument auf Vinyl, das unter Fans seit Jahrzehnten fast mythischen Status besitzt. Die Aufnahme entstand im Mai 2000 im Pariser „Le Trianon“, als die Band ihr 30-jähriges Bestehen feierte. Zwei Konzertabende genügten, um die komplette ´Theusz Hamtaahk´-Trilogie, eines der zentralen Werke der Zeuhl-Geschichte, vollständig festzuhalten. Sie ist ein musikalisches Monument, das bereits Anfang der 1970er komponiert wurde, aber erst hier erstmals als geschlossenes Ganzes live dokumentiert ist.
Die Trilogie ist zugleich ein zentraler Teil der großen Kobaïa-Saga, der mythologischen Erzählwelt von MAGMA. In dieser Geschichte verlässt eine Gruppe von Menschen die moralisch korrumpierte Erde und gründet auf dem fernen Planeten Kobaïa eine neue Zivilisation. Die Texte der Trilogie – gesungen in der von Mastermind Christian Vander erfundenen Sprache Kobaïanisch – schildern den Konflikt zwischen diesen beiden Welten: spirituelle Reinheit auf der einen Seite, zerstörerische Gewalt und Machtstreben auf der anderen.
Innerhalb der Kobaïa-Saga markiert ´Theusz Hamtaahk´ den Beginn einer dramatischen Entwicklung. Die Menschen auf der moralisch korrumpierten Erde erkennen die Notwendigkeit eines grundlegenden Wandels und suchen den Aufbruch zu einem neuen, reinen Planeten. In diesem ersten Abschnitt wird die Bewegung initiiert, die sich gegen Machtmissbrauch, Gier und Zerstörung richtet, während die Vision einer gerechten, spirituellen Ordnung deutlich wird.
Der zweite Teil, ´Ẁurdah Ïtah´, zeigt die Konsequenzen dieser Bewegung und den inneren Konflikt der Beteiligten. Einzelne Figuren werden mit Prüfungen, Zweifeln und dem Widerstand der alten Welt konfrontiert. Die Handlung fokussiert sich auf Hoffnung, Opferbereitschaft und die Frage, ob die Menschheit fähig ist, sich von ihrer zerstörerischen Vergangenheit zu lösen und den Weg zu einer höheren Mission zu akzeptieren.
Im abschließenden ´Mëkanïk Dëstruktïw Kömmandöh´ erreicht die Geschichte ihren Höhepunkt. Die Kraft der Bewegung manifestiert sich endgültig, während die Erde vor der Entscheidung steht, sich zu reinigen oder zu scheitern. Die prophetische Vision einer spirituellen Transformation wird vollständig offenbar, und die Trilogie endet mit einer Darstellung von Erlösung, Läuterung und der Überwindung des moralischen Verfalls.
Dass dieses Werk so lange brauchte, um in dieser Form festgehalten zu werden, gehört zur besonderen Geschichte der Band. Während der dritte Teil, ´Mekanïk Destruktïw Kommandöh´, längst als Klassiker des progressiven Rock gilt, waren die beiden ersten Kapitel nur fragmentarisch oder in reduzierten Fassungen erhältlich. Erst im „Trianon“ erfüllte Bandgründer Christian Vander sein jahrzehntelanges Versprechen, die gesamte Saga in der richtigen Reihenfolge und mit großer Besetzung aufzuführen.
Für dieses Jubiläum stellte Christian Vander ein beeindruckendes Ensemble zusammen: eine Art „Zeuhl-Orchester“ aus rund vierzehn Musikerinnen und Musikern, die aus unterschiedlichen Generationen und Ecken Europas stammen und teilweise schon seit den frühen Siebzigern Teil von MAGMA waren. Angeführt wird die Formation von Stella Vander, Christians langjähriger Partnerin und prägender Stimme der Band, die den Chor leitete und zusätzlich an den E-Pianos agierte, unterstützt von ihrer Tochter Julie Vander, deren klare und ausdrucksstarke Stimme wichtige vokale Akzente setzte. Philippe Bussonnet übernahm den Bass und trat damit in die Fußstapfen von Jannick Top, während Emmanuel Borghi an den Fender Rhodes E-Pianos die düstere Harmonie der Zeuhl-Welt prägte. Antoine Paganotti brachte als Sohn des ehemaligen Bassisten Bernard Paganotti seine Gesangskunst und keyboardtechnische Erfahrung ein, Isabelle Feuillebois ergänzte mit Stimme und Perkussion, und James Mac Gaw wechselte geschickt zwischen Gitarre und Fender Rhodes, je nach Bedarf der einzelnen Sätze.
Die Musiker traten dabei häufig unter kobaïanischen Pseudonymen auf, die ihre Rollen innerhalb der Saga symbolisch reflektierten: Christian Vander selbst als Zebëhn Straïn Dë Geuštaah, Stella Vander als Tauhd Zaïa und Philippe Bussonnet als Gëhnohr Dügohnn’, was das Ensemble zu einer eigenen mythologischen Einheit machte. Besonders auffällig war die vierköpfige Bläsersektion, bestehend aus Benoît Gaudiche und Yannick Neveu an den Trompeten sowie Fred Burgazzi und Ronan Simon an den Posaunen, die den orchestralen Charakter von ´Mëkanïk Dëstruktïw Kömmandöh´ auf ein neues Niveau hob. Hinzu kam der mehrstimmige Chor, der den sakralen, hymnischen Kern der Trilogie verkörperte und in den Gesängen das Kobaïanische Leben und die spirituelle Intensität der Saga unmittelbar hörbar machte.
Dieses Ensemble machte aus dem Jubiläumskonzert im „Trianon“ kein gewöhnliches Livealbum, sondern eine rituelle Klangzeremonie, in der die Musik von MAGMA zu einem lebendigen Mythos wurde. Gemeinsam verschmolzen die Musiker zu einer Einheit, in der Rock, Jazz, klassische Musik und Avantgarde nahtlos ineinanderflossen und die Trilogie in ihrer ganzen epischen Dimension erlebbar wurde.
Der erste Teil, ´Theusz Hamtaahk´, entfaltet sich über unnachgiebige, repetitiv pulsierende Rhythmen, getragen von Christian Vanders Schlagzeugspiel in beinahe militärischer Strenge. Der Chor und die vierköpfige Bläsersektion steigen stufenweise ein, steigern die Spannung Stück für Stück und brechen immer wieder in hymnische Passagen aus. Dazwischen eröffnen kurze Einsätze einzelner Stimmen oder Instrumente markante Akzente, bevor sich alles wieder zum mächtigen Zusammenklang des Chors bündelt. Das Ergebnis ist eine bedrückende, fast sakrale Atmosphäre, die den epischen Ton für die gesamte Trilogie setzt.
Mit ´Ẁurdah Ïtah´ öffnet sich die Trilogie zu einer lyrischeren Klangwelt. Die Pianomotive führen durch die einzelnen Passagen, während sich die Gesangsstimmen zu einer komplexen harmonischen Einheit verbinden. Improvisatorische Einsätze einzelner Musiker lockern die Strenge auf. Trotz der erweiterten Besetzung bleibt das Klangbild transparent; jeder Einsatz von Chor, Bläsern oder Solisten prägt die dramatische Entfaltung der Geschichte.
Das Finale, ´Mëkanïk Dëstruktïẁ Kömmandöh´, entfaltet sich als monumentaler Höhepunkt der Trilogie. Der Chor singt komplexe Kobaïanisch-Passagen mit präziser Kraft, während das Schlagzeug von Christian Vander eine beinahe militärische Strenge bewahrt, die das Ensemble stringent vorantreibt. Tiefe Basslinien und treibende rhythmische Muster unterlegen das Geschehen, während die Bläser schichtweise Spannung aufbauen. Crescendi steigern sich kontinuierlich, jeder Einsatz von Chor, Instrumenten und Soli fügt neue dynamische Ebenen hinzu, bis die Musik in einer eruptiven, fast ekstatischen Entladung gipfelt und den erzählerischen Höhepunkt der Trilogie hörbar macht.
Gerade diese Liveversion macht deutlich, wie stark MAGMAs Musik von Dynamik lebt. Die Stücke wirken weniger wie einzelne Songs als vielmehr wie Bewegungen eines großen musikalischen Rituals. Chor, Bläser, Rhythmusgruppe und Solisten greifen ineinander, während Christian Vander das gesamte Ensemble mit unerschütterlicher Intensität zusammenhält. Viele Begriffe aus der Trilogie haben dabei feste Bedeutungen. Zeuhl steht für „Himmlisch“ oder „Geistig“ und gibt dem gesamten Genre seinen Namen. Theusz Hamtaahk bedeutet „Zeit des Hasses“, Ẁurdah Ïtah bezeichnet den „Toten Planeten Erde“. Mëkanïk Dëstruktïẁ Kömmandöh vereint mehrere Ansätze, nämlich Mëkanïk für „Bewegung“ oder „Organisation“, Dëstruktïẁ für „Zerstörerisch“ und Kömmandöh für „Kommando“ oder „Einheit“. Weitere Schlüsselbegriffe wie Këhl („Leben“), Dëhndë („Gebet“) und Kreuhn Kohrmahn (eine göttliche Entität oder das „Große Ganze“) unterstreichen die spirituelle Dimension des Werks.
Die neue Vinyl-Edition verleiht diesem Dokument zusätzlichen Reiz. Die Trilogie erscheint erstmals als 4-LP-Set auf 180g Crystal-Clear-Vinyl, weltweit auf 1000 nummerierte Exemplare limitiert. Verpackt in einer dünnen Box mit Booklet und bedruckten Innenhüllen, wird jedes Detail der Aufführung greifbar. Diese Ausgabe richtet sich klar an Sammler und an Hörer, die MAGMAs monumentalen Klang in seiner vollen, analogen Tiefe erleben möchten. Die haptische Qualität des Vinyls machen das Set zu einem audiophilen Erlebnis, das weit über den reinen Musikgenuss hinausgeht und die Trilogie zu einem physischen Artefakt der Zeuhl-Geschichte erhebt.
So wird ´Theusz Hamtaahk – Trilogie Au Trianon´ die Zeit weit mehr als ein gewöhnliches Livealbum überdauern. Es ist der historische Augenblick, in dem Christian Vander sein jahrzehntelanges Versprechen eingelöst hat. Für Fans hat die Trilogie seit jeher den Status eines heiligen Grals, doch nun werden die drei Kernwerke der kobaïanischen Mythologie erstmals auf Vinyl als geschlossene Einheit erlebbar. Getragen von den 14 Musikern der „Zeuhl-Armee“ entfalten sich die Kompositionen mit solcher Präzision, Kraft und kollektiver Intensität, dass die Stücke druckvoller, wuchtiger und gefährlicher klingen als je zuvor. Dieses Monument, Referenz für alle MAGMA-Liebhaber und zentraler Bezugspunkt der Progressive Rock- und Zeuhl-Geschichte, ist ein spirituelles Epos, das Disziplin, Vision und hymnische Energie vereint und selbst Jahrzehnte nach seiner Entstehung die Zuhörer in einen Zustand purer, beinahe überirdischer Faszination versetzt.
Jahrhundertklassiker.



