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PRONG – Live And Uncleansed

2026 (Steamhammer) – Stil: Groove Metal/Industrial Metal/Thrash Metal

Mit ´Live And Uncleansed´ dokumentiert PRONG nicht nur eine Tour, sondern auch die bemerkenswerte Beständigkeit einer Band, die seit den späten Achtzigern immer wieder neue Facetten ihres Sounds freilegt.

Aufgenommen an sieben Abenden im Juli und August 2025 – unter anderem beim “Wacken Open Air”, beim “Alcatraz Festival”, Belgien, sowie in Clubs wie dem “Colos-Saal” in Aschaffenburg – entstand ein Livealbum, das seine Energie bewusst ungeschönt konserviert.

Der Anlass war das Jubiläum von ´Cleansing´, jenem Album aus den 90ern, mit dem Gitarrist und Sänger Tommy Victor und seine Mitstreiter einst die Verbindung aus Thrash, Groove und Industrial auf eine eigenwillige Spitze trieben.

Entsprechend prägen mehrere Stücke dieses Klassikers die Setlist. ´One Outnumbered´ oder ´Out Of This Misery´ wirken auch drei Jahrzehnte später erstaunlich frisch, während die hymnische Single ´Snap Your Fingers, Snap Your Neck´ mit ihrem wuchtigen Bassintro einmal mehr demonstriert, wie viel Druck ein Trio entfalten kann.

Überhaupt lebt ´Live And Uncleansed´ von dieser Reduktion: Victor, Bassist Christopher Dean und Schlagzeuger Tyler Joseph verzichten auf überflüssige Live-Routine und lassen stattdessen die Songs sprechen.

Das eröffnende ´Revenge… Best Served Cold´ setzt mit sägendem Riff und donnernden Drums sofort den Ton, während ´The Descent´ – ein Vertreter des jüngsten Studioalbums – den rhythmischen Maschinencharakter der Band betont.

Dazwischen tauchen ältere Stücke wie ´Inheritance´ oder das rohe ´However It May End´ auf und schlagen Brücken zu den frühen Crossover-Wurzeln.

Interessant ist dabei weniger die bloße Rückschau als die stilistische Kontinuität. Schon früh hatte PRONG Einflüsse aus Alternative Rock und Industrial Metal absorbiert – lange bevor der Begriff Groove Metal im Mainstream kursierte. Live zeigt sich, wie selbstverständlich diese Elemente ineinandergreifen: hypnotische Midtempo-Passagen, kantige Riffs und eine Rhythmussektion, die eher treibt als dekoriert.

Dass kleinere Ungenauigkeiten bewusst im Mix belassen wurden, unterstreicht den dokumentarischen Charakter der Aufnahme. Dieses Album will nicht perfektionieren, sondern festhalten – den Moment, in dem eine routinierte Band ihre eigene Geschichte mit hörbarer Spielfreude neu vermisst.

(8,5 Punkte)

https://www.facebook.com/prongmusic


Pic: Official Band Photo

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