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WAZZARA – Arbor

2026 (Independent) - Stil: Atmospheric Black Metal, Doom, Blackgaze

WAZZARA verdanken ihr Entstehen vor gut zehn Jahren Barbara Brawand, der eine extreme Form von Musik vorschwebte und diese schließlich mit ihren Mannen umsetzte und eine erste EP, ´Zessa´, 2019 veröffentlichte. 2021 erschien das Debütalbum ´Cycles´, welches in einer düsteren, von schrecklichen wahren und unwahren Meldungen heimgesuchten Welt weniger Aufsehen erregte als es verdient hätte. Der 2023er EP ´Ombreine´ folgte nun das zweite Album ´Arbor´ mit acht Titeln und einer Gesamtspielzeit von etwas mehr als vier Dutzend Minuten.

Als man Anfang der 90er „Loudness War“ in der Musikszene einführte, entstanden Songs, deren Dynamik stark beschnitten war, da man die leisen Passagen den lauten anpasste und somit häufig ein regelrechter „Klangbrei“ entstand. Das klangliche Erlebnis bei WAZZARA lässt die Durchführung solcher Maßnahmen durchaus vermuten, doch man kann beruhigt sein, denn das hiesige Aufbauen der Klangwände ist gewollt und reißt einen von Stück zu Stück mit. Der wohlfeilen Mischung von Black Metal, Blackgaze und Doom vermitteln die rauen, aber auch extrem sanftmütigen Töne Barbaras so etwas wie ein Glitzern von Sternen in der Dunkelheit des Universums. Die Gitarrenwände bauen sich mächtig auf und scheinen unüberwindbar. Das Wechseln zwischen relativ sanften und äußerst brachialen Phasen lässt den Hörenden mit offenem Mund dastehen. Bereits der Opener ‘9 Confines‘ zeigt deutlich die Kompromisslosigkeit dessen, was den Musikfreund erwartet. Allerdings reicht ein einziger Hördurchgang nicht, um das Album komplett in sich aufzusaugen. Obendrein muss man auch offen für die extremen Merkmale dieses teils atonalen Kunstwerks sein, sonst geht einem der Spirit verloren.

´Arbor´ ist schwerverdauliche Kost, aber wessen Magen schwarzmetallischen Klängen wohlwollend gegenübersteht, dem werden rhythmische Darmbewegungen beim Verdauen helfen und ein wohliges Sättigungsgefühl bescheren. Äußerst interessant ist das Hören mit geschlossenen Kopfhörern: Der fast ständig vorhandene musikalische Druck presst einem regelrecht die Schläfen zusammen, die tränenden Augen quellen förmlich heraus und das letzte bisschen Rotz verlässt beide Nasenflügel. Legt euch am besten ein paar Tempotaschentücher zur Seite, damit ihr allen von der Musik verursachten körperlichen Kapriolen etwas entgegenzusetzen habt.

Das Coverartwork ist wie bei den drei Tonträgern zuvor sehr schlicht gehalten, alles andere würde gekünstelt und unecht wirken. Wer süffisant die Nase rümpft, hat WAZZARAs ´Arbor´ nicht verstanden. „Ab in die Ecke und auf die nächste EP warten!“ Schließlich muss jeder eine zweite Chance haben, oder? WAZZARA haben ihre Chance längst genutzt. Bei der Release-Show am 28. Februar 2026 in der Met-Bar Lenzburg hatten die Schweizer einige Besonderheiten geplant: 1. Erster Auftritt des neuen Gitarristen Nick Müller; 2. Andrei von DORDEDUH, der die Drums für ´Arbor´ eingespielt hat, wird als Special Guest extra aus seiner Heimat Rumänien eingeflogen und am Schlagzeug sitzen; 3. Während des Gigs werden die Drumsticks an das ebenfalls neue Bandmitglied Niklas übergeben.

(7 Punkte)

https://www.facebook.com/wazzaraofficial/

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