
Lärmender Beginn beim Opener ´On The Bags Again´ mit dreckigen Riffs, einer quietschenden Slide-Gitarre und einem kraftvollen Shouter, der auch besonders das Brüllen beherrscht. Klar, klingt ein wenig viel nach AC/DC und anderen Platzhirschen. Unverwüstlicher Rock, ohne faule Kompromisse. Im Video hochprozentiger Alkohol, harte Typen, Stripperinnen und die Band, die spielt, bis alle umfallen. Der anschließende Titelsong ist zu Beginn ein Gemisch aus Chuck Berry und ´Thunderstruck´ und macht dem Titel alle Ehre.
Und tatsächlich, die dürfen da ein wenig borgen, denn sie sind selbst Australier. Die Band mit dem Ehepaar Veronica Campbell (Leadgitarre) und Steven Campbell (Gesang & Bass) im Nukleus haben nach Singles und EPs und harten Jahren durch die Clubszene im Sinne von “Blood, Sweat & Beers” (stammt nicht von mir) jetzt ihren Traum in die Realität umgesetzt und ihr Debütalbum veröffentlicht. Gitarrenriffs werden einem um die Ohren gehauen und Sänger Steven ist ein heißer Kandidat für den goldenen Schreihals. Insgesamt bringen sie sich gleich als Erben für die in die Jahre gekommenen AC/ DC und ROSE TATTOO ins Spiel. ´Down For The Count´ heißt der nächste Gassenhauer, der stärker auf den Spuren von Angry Anderson und seiner Gang ist.
Irgendwelche größere Variationen des Sounds werden, wie bei den Vorbildern, konsequent abgelehnt. Der Up-Tempo-Boogie ´Going For Broke´ bewirkt auch Assoziationen zu Hochgeschwindigkeitskrachern australischer Art wie ´Beating Around The Bush´ oder ´Remedy´. Lustig das darauffolgende ´Dad I Joint A Rock’n’Roll Band´.

´Ride Or Die´ beginnt etwas verhaltener und bringt dann aber mit doppelter Kraft wieder Riffs und Melodien auf die Straße und in den stickigen, versoffenen Aussie-Club. Sicher live ein Höhepunkt. ´Kick Your Heels Back´ zeigt wie man den Konsumenten konsequent zwei Minuten ordentlich einen auf die Mütze geben kann. Wie lange die Band und das Publikum das live durchhalten, ist ein interessanter Aspekt und konnte/kann auf der Europatour mit den Vorbildern AIRBOURNE gerade ausgetestet werden.
Der Stampfer ´Bottle Of Sin´ sorgt für einen weiteren Höhepunkt. Bevor der Bonustrack ´High Altitude´ abgefrühstückt wird. Das hier ist australisches Kulturgut in Form von massenhaften Riffs. Das die Riffs und eigentlich alles ständig von den großen Vorbildern recycelt wird, könnte einigen kritischen Menschen sicher sauer aufstoßen. Ja, kann ich irgendwie verstehen. Aber wer wollte ernsthaft ein Rock’n’Roll Riff noch einmal neu erfinden? Die Band versucht sich gar nicht erst von ihren Vorbildern abzusetzen. Da kann man Punktabzug in der B-Note geben.
Was aber bleibt, ist ein heißes Album voller roher Energie, das aufgrund seiner Konsequenz richtig Spaß macht. Allerdings, durch seine ständige Nähe im roten bis dunkelroten Bereich, birgt es die Gefahr nach zwölf Songs auch die Hörerin / den Hörer reif für das Sauerstoffzelt zu machen. Deshalb für Ängstliche und Zartbesaitete: nur in kleinen Dosen, nicht übertreiben!
(8 Punkte)



