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BRANDON SEABROOK – Hellbent Daydream

2026 (Pyrolastic Records) - Stil: Jazz

´Hellbent Daydream´ von Brandon Seabrook entfaltet sich sofort als kühne, ungestüme Reise durch Soundwelten, die den Hörer herausfordern und in ihren Bann ziehen. Brandon Seabrook, Gitarre und Banjo, eröffnet mit ´Name Dropping Is The Lowest Form Of Conversation´ eine unruhige Landschaft aus scharfen Gitarrenfiguren und pulsierendem Bassspiel von Henry Fraser, überlagert von Erica Dicker auf der Violine, die schräge, fast theatrale Spannungen erzeugt, während Elias Stemeseder mit Piano und Synthesizern das Geschehen wie ein subtiler Regisseur begleitet. Die Komposition wirkt wie ein dramatisches Epos, das zwischen Intensität und unvorhersehbaren rhythmischen Ausbrüchen oszilliert.

Mit ´Bespattered Bygones´ ändert sich die Szenerie zu einem komplexen Jazz-Konstrukt, in dem allein das Zusammenspiel der vier Musiker Spannungen aufbaut. Henry Fraser webt Basslinien, die teils schleppend, teils federnd agieren, während Erica Dicker dissonante Bögen zieht, die den Raum mit Spannung aufladen. Brandon Seabrook experimentiert mit überlagerten Gitarrensounds, die zwischen Noise, Jazz Fusion und Punk-Attitüde pendeln.

Der Titelsong ´Hellbent Daydream´ nutzt Banjo und Gitarre, um Stränge zu verweben, während Fraser, Dicker und Stemeseder aufeinander reagieren, improvisatorische Dialoge führen und dabei rhythmische und harmonische Spannungen erzeugen, die den Hörer in einen hypnotischen Groove ziehen. Es entsteht eine Musik, die zwischen Traumlogik und kontrollierter Eskalation aufbraust.

´I’m A Nightmare And You Know It´ nutzt dissonante Akkorde, treibende Bassfiguren und eine ungestüm tanzende Violine. Brandon Seabrook entfesselt die Gitarre, während Elias Stemeseder die harmonische Landschaft erweitert, sodass ein hypnotisches Geschehen entsteht, das zwischen Drama und Absurdität changiert.

´Existential Banger Infinite Ceiling´ ist ein energisches Prog-Epos, das Gitarrenriffs und virtuose Soli mit überraschenden rhythmischen Brüchen kombiniert. Die Violine erzeugt flirrende Spannungen, der Bass grummelt teils bedrohlich, teils verspielt, sodass sich die Komposition wie ein klares, orchestrales Jazz-Fusion-Stück entfaltet.

Mit ´The Arkansas Tattler´ wendet Brandon Seabrook Americana-Referenzen an, transformiert das traditionelle Material in eine virtuos-exzentrische Melange. Banjo und Violine spielen auf der Folklore-Ebene, während Gitarre und Piano das Klangspektrum erweitern und das Stück in einen progressiven Kontext stellen. ´Autopsied Cloudburst´ bereitet das spektakuläre Finale, in dem rhythmische Komplexität und melodische Eigenständigkeit eine Spannung aufbauen, die sich erst auflöst, sobald der letzte Ton verstummt.

´Hellbent Daydream´ ist ein Album, das die Jazztradition respektiert und zugleich sprengt, indem es Punk, Prog, Noise, Folk und zeitgenössische Klassik zu einem verschlungenen Ganzen verarbeitet. Brandon Seabrook hat ein Werk geschaffen, das radikal und reflektiert wirkt, ein Musiktheater aus Klang, Virtuosität und ungebändigter Vorstellungskraft, das den Hörer einlädt, sich auf jeden Ton einzulassen.

(8,5 Punkte)

https://www.facebook.com/PyroclasticRecords


(VÖ: 20.02.2026)

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