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ART BLAKEY & THE JAZZ MESSENGERS – Strasbourg 1982

2026 (Gearbox Records) - Stil: Jazz

Als Art Blakey am 1. April 1982 in Straßburg die Bühne betritt, steht da kein Veteran auf den Brettern, sondern ein stürmischer Bandleader. ´Strasbourg 1982´ hält diesen Abend fest, direkt von den Original-Masterbändern gezogen und nun von “Gearbox Records” in makelloser Qualität veröffentlicht. Man hört jede Beckenattacke, jedes Knacken der Snare, jede Nuance im Blech. Das ist kein Archivstaub, das ist echte Gegenwart auf Vinyl.

Art Blakey treibt seine JAZZ MESSENGERS mit der Autorität eines Mannes, der Generationen geformt hat. Neben ihm stehen Terence Blanchard und Donald Harrison, beide jung, hungrig und hellwach. Johnny O’Neal sitzt am Klavier mit einer Mischung aus Eleganz und Feuer, Billy Pierce bläst das Tenorsaxophon mit kernigem Ton, Charles Fambrough hält den Kontrabass fest im Griff. Diese Band spielt, als ginge es um alles.

´Little Man´ eröffnet das Konzert mit Hochspannung. Charles Fambrough hat das Stück geschrieben, und sein Bass greift sofort an. Art Blakey legt darunter ein treibendes Schlagzeugfundament, das wunderbar anfeuert. Terence Blanchard steigt mit klarer, strahlender Trompete ein, Donald Harrison antwortet mit scharfem Altsaxophon. Die Soli sind schnell, fordernd, voller Attacke.

´Along Came Betty´ bekommt Schlagzahl und Biss. Das Motiv springt federnd aus den Hörnern, Johnny O’Neal setzt perkussive Akkorde dagegen, sein Solo funkelt mit schnellen Läufen und bluesigem Einschlag. Art Blakey wirft Akzente wie Funken ins Feuer, das Stück swingt hart und selbstbewusst. Mit ´Fuller Love´ wird es etwas dunkler im Ton. Die Bläser phrasieren geschlossen, dann lösen sie sich in kraftvolle Improvisationen. Billy Pierce gestaltet sein Solo breit und kraftvoll, während Art Blakey mit donnernden Wirbeln antreibt.

´Eighty One´ bringt einen moderneren Einschlag ins Set. Das Motiv wirkt offener. Terence Blanchard nutzt die harmonische Weite für ausgedehnte Passagen, Donald Harrison spielt bissig und pointiert. Charles Fambrough hält das Stück mit markantem Basslauf zusammen, Art Blakey setzt harte Akzente auf Toms und Becken. In ´I Can’t Get Started´ zeigt sich eine andere Seite. Donald Harrison führt das Thema mit warmem, kontrolliertem Ton. Johnny O’Neal begleitet feinfühlig. Die Ballade bleibt ohne Pathos, sondern mit klarer Melodieführung.

´New York´ beginnt mit einem Schlagzeug-Intro von Art Blakey, das sofort Aufmerksamkeit erzeugt. Dann setzt die Band ein, schnell und energiegeladen. Die Soli steigern sich, die Geschwindigkeit bleibt hoch, das Ensemble wirkt wie eine perfekt eingespielte Maschine. ´Old Folks´ gehört Johnny O’Neal allein. Sein Solo am Klavier ist lyrisch, mit deutlichem Bezug zur Swing-Tradition. Er spielt das Thema klar aus, variiert es mit bluesigem Unterton. Ein ruhiger Moment, der dennoch Spannung trägt.

Zum Schluss kommen die Klassiker. ´Blues March´ rollt mit markantem Riff an, Art Blakey treibt mit militärisch anmutendem Groove. Das Publikum reagiert hörbar. ´Moanin’´ setzt das bekannte Piano-Motiv in den Raum, die Bläser greifen es auf, und sofort entsteht diese Mischung aus Soul, Hard Bop und purer Energie. Donald Harrison und Terence Blanchard nutzen die vertrauten Strukturen zum Abschluss für frische, kraftvolle Soli.

´Strasbourg 1982´ zeigt Art Blakey mit 62 Jahren auf der Höhe seiner Kunst. Die Band wirkt geschlossen und voller Spielfreude. Diese Aufnahme dokumentiert einen Wendepunkt, an dem eine neue Generation das Erbe übernimmt. “Gearbox Records” liefert dazu eine Edition, die klanglich wie editorisch höchsten Ansprüchen genügt. Dieses Album ist mehr als ein Fundstück. Es ist ein starkes Kapitel in der Geschichte der JAZZ MESSENGERS und ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, wie lebendig Hard Bop im Jahr 1982 klingen konnte.

(9 Punkte)

https://www.facebook.com/artblakeymusic

 


(VÖ: 27.02.2026)

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