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GLEN – It Was A Bright Cold Day In April

2026 (Kapitän Platte) - Stil: Post Punk/Neo Krautrock

Mit ´It Was A Bright Cold Day In April´ legt das Berliner Instrumental-Quartett GLEN sein bislang geschlossenstes Werk vor. Das Album, benannt nach dem berühmten Eingangssatz aus George Orwells ´1984´, entfaltet sich als zusammenhängende musikalische Erzählung, düster grundiert, kontrolliert auf Spannung gebaut und von Anfang an auf Wirkung bedacht. Statt klassischer Songdramaturgie setzen GLEN auf lange Spannungsbögen und ein permanentes, dynamisches Wechselspiel.

Der Einstieg ´Frenzy´ ist ein treibender, nervöser Rock-Track, getragen von Gitarrenmelodien, die sich schrittweise zuspitzen. Das Schlagzeug von Achim Faerber hält das Stück in permanenter Unruhe, während sich die Gitarren von Wilhelm Stegmeier und Eleni Ampelakiotou gegenseitig anstacheln und die Spannung konsequent nach oben treiben.

´Lotosesser´ verlangsamt das Geschehen spürbar. Der Song wirkt wie ein hypnotischer Sog, getragen von schleppendem Groove und schwebenden Gitarrenflächen. Die Musik bleibt dabei jederzeit bedrohlich, als würde sie den Hörer bewusst in einen Zustand kontrollierter Orientierungslosigkeit führen. Der Titel verweist nicht zufällig auf Vergessen und Verführung.

Mit ´Brute Force´ wird das Album härter und aggressiver, mit metallischem Einschlag. Gastmusiker Norbert Stammberger am Saxophon und Kriton Beyer am Daxophon erweitern das Klangspektrum in eine rohe, aufgewühlte Richtung.

Der Mittelpunkt des Albums ist ´Sublime´. Über fast vierzehn Minuten entfaltet sich ein episches Prog-Epos, das langsam wächst und sich aufschichtet. Ruhige Passagen wechseln mit massiven Steigerungen, Gitarren bauen die Spannung auf, während Bassist Roland Feinaeugle das Fundament stabil hält. Der Track wirkt wie ein Balanceakt zwischen Kontrolle und Kontrollverlust.

Den Abschluss der regulären Trackliste bildet ´…And The Clocks Were Striking Thirteen´. Glockenartige Motive, düstere Harmonien und ein schwerer, marschartiger Grundton verleihen dem Stück eine fast apokalyptische Stimmung. Der Orwell-Bezug findet hier seine konsequente musikalische Entsprechung.

Die Bonustracks ´Zugzwang´ und ´Il Ricordo´ erweitern das Album um zusätzliche Facetten. Ersterer setzt auf nervöse Rhythmik und letzterer schlägt einen ruhigeren, nachdenklicheren Ton an und wirkt damit wie ein leiser Nachsatz nach der eigentlichen Erzählung.

Produziert im Berliner Studio “andereBaustelle” von Boris Wilsdorf und gemischt von MACK, besitzt ´It Was A Bright Cold Day In April´ einen klaren, kraftvollen Klang, der die rohe Energie der Band bewahrt. GLEN präsentieren sich als eingespielte Einheit mit einem sicheren Gespür für Dramaturgie. Zudem festigen sie ihren Platz im zeitgenössischen Experimental Rock.

(8 Punkte)

https://kapitaenplatte.bandcamp.com/album/it-was-a-bright-cold-day-in-april
https://www.facebook.com/bandGLEN


(VÖ: 20.02.2026)

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