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ROTTING CHRIST – Aealo

2026 (Season Of Mist) – Stil: Black Metal/Gothic Metal/Pagan Metal

´Aealo´, das zehnte Werk von ROTTING CHRIST aus dem Jahr 2010, erfährt 2026 eine Neuaufnahme, die den historischen Wert des Albums unterstreicht und zugleich neue Facetten hervorhebt.

Die Überarbeitung strebt keine radikale Neuerfindung an, vielmehr verfeinert sie die ursprüngliche Vision. Die Produktion wirkt klarer, ausgewogener und kraftvoller, ohne die rohe, ritualistische Atmosphäre des Originals zu kompromittieren.

Chöre, Percussions und hypnotische Melodiestrukturen treten deutlicher hervor, während Sakis Tolis` Gesang nun eine breitere, nuanciertere Bandbreite zwischen gutturalem Raspeln und sonoren Zwischentönen offenbart.

Das Album entfaltet seine Wirkung bereits im Opener ´Aealo´: hypnotische, düster getönte Black Metal-Gitarren, weibliche Chöre und Sakis` eindringliche Schreie setzen einen zeremoniellen, fast rituellen Ton, der im folgenden ´Eon Aenaos´ zu einer apokalyptischen Klanglandschaft verdichtet wird. Der Song verbindet traditionelle Black Metal-Elemente mit atmosphärischen, orchestralen Arrangements und erinnert dabei an die epischen, mystischen Ansätze skandinavischer Bands, während gleichzeitig der mediterrane, griechische Einfluss subtil mitschwingt.

Mit ´Daimonon Vrosis´ erreicht die Intensität dann einen Höhepunkt: ein sanftes, fast melancholisches Gitarrenmotiv eröffnet das Stück, während ein weibliches Klagelied die Szenerie wie ein rituelles Schauspiel tief im Wald entfaltet. Hier verschmelzen Black Metal, Gothic-Elemente und traditionelle griechische Musik zu einem cineastischen Klangbild.

Die Spannung hält sich in ´Noctis Era´, einem archaischen Marsch, getragen von hypnotischen Riffs und einem unerbittlichen Groove, der die Hörer durch intime, fast meditative Momente führt, bevor der Marsch wiederkehrt.

In der zweiten Hälfte kehren die Griechen zu klarer strukturierten, klassischen Black/Pagan Metal-Sounds zurück: ´Thou Art Lord´ verwebt eine gotische Midtempo-Atmosphäre mit hymnischen Chören und trägt die Zuhörer in eine feierlich-düstere Klanglandschaft. ´Santa Muerte´ hingegen entfaltet mit kraftvollen, treibenden Rhythmen und expressiven Gitarrenlinien eine intensive, fast militante Energie, die den rituellen Charakter des Albums unterstreicht.

Den unvergesslichen Abschluss bildet schließlich ´Orders From The Dead´: Diamanda Galás, eine Ikone der avantgardistischen experimentellen Musik, kanalisiert hier die Stimmen der Toten. Ihr Gesang verleiht dem Stück eine beunruhigende, zugleich hypnotische Wirkung, die das Album auf eine theatralische, zutiefst emotionale Höhe führt.

Diese Neuaufnahme bietet eine respektvolle Rückkehr zu einem Album mit zwei Seelen: pompös-cineastisch, zugleich jedoch erdig und im klassischem Black Metal-Sinne.

´Aealo´ transportiert trotz kleinerer Unterschiede zwischen Original und Neuaufnahme weiterhin die Vision und Kraft von ROTTING CHRIST – ritualistische Intensität, cineastische Weite und vollkehlige Durchschlagskraft inklusive!

(8,5 Punkte)

https://www.facebook.com/rottingchristofficial


Pic: Tasos Anestis

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