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JOE BONAMASSA – B.B. King’s Blues Summit 100

2025 (Keeping the Blues alive) - Stil: Blues

Joe Bonamassa habe ich vor einiger Zeit einmal live gesehen. Das war sehr gut. B.B. King habe ich vor Jahrzehnten live gesehen. Das war eines der beeindruckendsten Konzerte in meinem Leben. Nicht missverstehen. Ich will die beiden gar nicht vergleichen. Das wäre Quatsch. Aber B.B. King ist eine absolute Legende und hatte eine unglaubliche (Bühnen-) Präsenz. Als er den Raum betrat, hatte er automatisch die 100%ige Aufmerksamkeit. Er war wirklich der “King of the Blues“. Als Studenten hatten wir dank unserem Fanzine von der Plattenfirma nicht nur die 4 CD-Box ´King Of The Blues´ überlassen bekommen, sondern auch die besten Plätze im Rosengarten in Mannheim auf dem Oberrang direkt ein paar Meter über B.B. Wir klatschten begeistert und die im Pelzmantel neben uns “konnten mit ihren Juwelen klimpern“ (frei nach John Lennon). Das werde ich nie vergessen (nicht die Juwelen, sondern das Juwel an der Gitarre).

Umso schöner, dass Joe Bonamassa zu B.B.s 100. Geburtstag eine große Schar von starken Musikerinnen und Musiker um sich geschart hat, um dem König zu huldigen. Es ist fast alles dabei, was derzeit Rang und Namen hat. Er folgt damit Popa Chubby, der vor einiger Zeit dem anderen großen King, Freddie King (ja, und es gibt den dritten Albert, wird von mir nicht vergessen) gehuldigt hat. Natürlich in deutlich bescheidenerem Rahmen.

Und es gibt absolute Höhepunkte auf dem Album, auf die ich mich angesichts der 32 Titel in der Besprechung vor allem konzentrieren werde. Alle Titel sind dank vielen Gästen gesanglich sehr geschmackvoll aufgenommen worden. Denn B.B. war einer der besten Sänger der Blues- und Rockgeschichte, das wird meist vergessen, wenn man sein Gitarrenspiel auf seiner „Lucille“ lobt. Dass Joe bei der Gitarre seine B.B. Lehrstunden verinnerlicht hat, ist eine Selbstverständlichkeit. Vor allem, wenn man weiß, dass B.B. King einer seiner ersten Förderer war. Und der bleiche Musiker durfte schon als 12-jähriger als Vorgruppe für B.B. King auftreten. Und der hat Joes Gitarre mit seiner Unterschrift verziert. Das war prägend, klar.

Marcus King steuert bei Titel Nr. 2 ´Don’t Answer The Door´ einen der gesanglichen Höhepunkte des Albums bei und auch die Gitarrenarbeit stimmt hier 100%. Michael McDonald, Susan Tedeschi & Derek Trucks dürfen anschließend den schönen Klassiker ´To Know You Is To Love You´ in einer beeindruckenden, empathischen Version zum Besten geben. Klasse. Das ist faszinierend. Nächster Höhepunkt: ´Sweet Little Angel´ mit dem derzeit größten noch lebenden Blues-Gitarristen und -Sänger Buddy Guy. Was für eine Legende. Wann kommt die nächste Platte, Buddy? Dann natürlich der absolute Klassiker ´The Thrill Is Gone´, standesgemäß mit vielen Streichern und Chaka Khan und Eric Clapton. Wobei bis auf den expressiven Gesang von Chaka Khan ist es eine eher unspektakuläre Interpretation.

Eine funky Version von ´Why I Sing The Blues´ mit dem starken Gesang vom 92-jährigen Bobby Rush. Meine Güte, wie kann man in diesem stolzen Alter noch so viel Power und Gefühl haben? Und im Gegensatz dazu die doch im Vergleich sehr jungen Lovell Schwestern à la LARKIN POE, die es mutig mit ´Don’t You Want A Man Like Me´ aufnehmen. Gut wie immer. ´There Must Be A Better World Somewhere´, vom Thema natürlich wie immer hoch aktuell, bekommt durch George Benson einen leichten Jazz- und Soul-Anstrich. Das passt hier sehr gut.

Auch Gary Clark Jr., mit 41 Jahren auch unter den jüngeren Musikern, drückt ´Chains And Things´ seinen ganz eigenen Stempel auf. Ivan Neville, Sohn von Aaron Neville und damit Spross aus der legendären Neville-Familie, bringt viel Soul in das dramatische ´Ghetto Woman´. ´Ain’t Nobody Home´ hat dann mit der starken Soul-Sängerin Jade MacRae auch mal wieder Frauenpower. Sonst wird meistens nur über die Übeltaten von Frauen oder die große Liebe zu Frauen berichtet. Typische Blues-Lyrics eben. Ja, Robben Ford darf Jade gekonnt an der Gitarre begleiten.

Mit ´Bad Case Of Love´ schließt Blues Rock-Frau Joanne Shaw Taylor nahtlos an. Mit Marc Broussard interpretiert einer der auch noch eher jüngeren Blues Sänger einen der ersten großen B.B. King-Songs ´Three O’Clock Blues´ ganz klassisch. Auch John Németh interpretiert ´Please Accept My Live´ eher konservativ. ´Playin’ With My Friends´ gibt auch Joe Bonamassa die Gelegenheit, sich endlich ausführlich als B.B. King-Kenner zu präsentieren. Er hat seinen eigenen Stil, das muss gesagt werden. Und er hat sich – zumindest am Anfang seiner Karriere – viel an B.B. orientiert. Wie Horden von Gitarristen. Das knapp neunminütige ´Better Not Look Down´ ist eine abschließende Widmung an den König, wo Begegnungen mit B.B. King sprachlich und musikalisch dokumentiert werden (CD-Bonustrack).

Insgesamt eine großartige Hommage an einen der besten Sänger und Gitarristen der Musikgeschichte. Ich habe jetzt nur eine Auswahl besprochen, aber es gibt keinerlei Ausfälle oder musikalische Pannen unter den Songs. Alle Songs sind super und sollten angehört werden, wenn man ein großes oder kleines Herz für den Blues hat. Das hat Joe mit viel Achtsamkeit und Geschmack eingefädelt. Respekt. Da wird einem auch wieder bewusst, wie viele Klassiker B.B. King im Repertoire hatte. Ein starkes Tribut an eine Legende. Als Doppel-CD oder Triple-Vinyl.

(Hervorragend – Viele Klassiker mit den feinsten Musikerinnen und Musikern der heutigen Blues Rock-Szene aufgenommen)

https://www.facebook.com/JoeBonamassa
https://www.facebook.com/bbking


Pic: Debra Bonamassa
(VÖ: 06.02.2026)

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