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ALISON KRAUSS + UNION STATION – Live

2002/2025 (Rounder Records) - Stil: Folk, World, Country

Als ALISON KRAUSS & UNION STATION im Frühjahr 2002 im “Louisville Palace” auf die Bühne traten, befand sich die Band an einem besonderen Punkt. Jahre intensiver Studioarbeit, stetiger Tourneen und wachsender Anerkennung hatten eine Formation geformt, die musikalisch vollkommen bei sich angekommen war. ´Live´ hält genau diesen Moment fest. Nicht als Rückschau, nicht als bloße Sammlung bekannter Stücke, sondern als lebendiges Dokument einer Band, die ihre Musik mit Selbstverständlichkeit und innerer Ruhe vorträgt.

Alison Krauss hatte zu diesem Zeitpunkt längst eine Ausnahmestellung erreicht. Früh gefördert, früh ausgezeichnet, hatte sie den Bluegrass aus seiner Nische geführt und ihm eine neue Offenheit gegeben, ohne seine Wurzeln zu verleugnen. Mit UNION STATION fand sie jene Musiker, die diesen Ansatz teilten und vertieften. Jerry Douglas an der Dobro, Dan Tyminski an Gitarre und Mandoline, Ron Block am Banjo, Barry Bales am Bass und Larry Atamanuik am Schlagzeug bilden das begleitende Ensemble. Auf ´Live´ ist das gemeinsame Miteinander in jedem Takt spürbar.

Der Auftakt mit ´Let Me Touch You For Awhile´ definiert sofort den Anspruch. Sanfte Gitarrenfiguren, ein ruhiger Grundrhythmus und Alison Krauss’ klare Stimme führen den Song mit großer Selbstverständlichkeit. Jede Zeile sitzt, jede Wendung wirkt sicher platziert. ´Choctaw Hayride´ bringt anschließend Schwung ins Set. Jerry Douglas treibt das Stück mit flinken Dobro-Läufen voran, das Banjo greift die Bewegung auf, Bass und Schlagzeug halten alles zusammen, präzise und lebendig.

Mit ´The Lucky One´ kehrt die Band zu einem der zentralen Stücke jener Phase zurück. Die Melodie wird ruhig aufgebaut, die Harmonien öffnen sich weit, und der Refrain entfaltet seine Wirkung ganz ohne Nachdruck. ´Baby, Now That I’ve Found You´ erhält in der Live-Fassung eine eigene Farbe. Der Song gleitet leichtfüßig dahin, getragen von mehrstimmigem Gesang und einer Instrumentierung, die jede Phrase sauber ausleuchtet. ´Bright Sunny South´ wirkt geerdet und direkt. Fiddle, Banjo und Gitarre greifen ineinander, das Tempo bleibt straff, ohne zu hetzen.

In ´Every Time You Say Goodbye´ auf Seite B steht erneut die Stimme im Mittelpunkt, ruhig geführt, unterstützt von fein abgestimmten Harmonien. ´Tiny Broken Heart´ bleibt schlicht, beinahe zurückgenommen, und gewinnt gerade dadurch an Wirkung. Mit ´Cluck Old Hen´ zeigt die Band ihre instrumentale Klasse. Das Stück lebt vom Zusammenspiel, vom schnellen Wechsel der Akzente und vom sicheren Gespür für Timing. ´Stay´ bringt einen moderneren Ton ins Set, klar strukturiert, mit ruhigem Aufbau und einem Gesang, der jede Zeile bewusst formt.

´Broadway´ und ´Ghost In This House´ zeigen Alison Krauss als Erzählerin, die Stimmungen präzise einfängt und mit wenigen Mitteln große Wirkung erzielt. ´Forget About It´ und ´Faraway Land´ sind anschließend zwei Stücken, die das Publikum ruhig mitnehmen und den Fokus auf Melodie und Zusammenspiel legen. Die Seite C endet mit ´A Tribute To Peador O’Donnell / Monkey Let The Hogs Out´, in dessen Zentrum Jerry Douglas steht, dessen Spiel gleichermaßen kraftvoll und elegant bleibt.

´The Boy Who Wouldn’t Hoe Corn´ wird von Gitarrrist Dan Tyminski am Mikrofon gesungen, mit Spannung aufgebaut und von der Band sicher geführt. ´Take Me For Longing´ wirkt leicht und offen, während ´I Am A Man Of Constant Sorrow´ mit Nachdruck sowie von Dan Tyminski vorgetragen wird, fest verankert im Repertoire und dennoch frisch. ´Maybe´ gehört zu den ruhigeren Höhepunkten. Der Song entfaltet sich langsam, getragen von Alison Krauss’ Gesang und fein abgestimmten Harmonien.

´We Hide & Seek´ bringt wieder Bewegung ins Set, mit lebendigem Wechselspiel zwischen Gitarre und Banjo. ´But You Know I Love You´ bleibt zugänglich und klar, während ´When You Say Nothing At All´ seine besondere Wirkung auch live voll entfaltet, schlicht, konzentriert, überzeugend. Mit ´New Favorite´ schließt sich der Kreis zum damaligen Studioalbum. ´Oh, Atlanta´ wird zu Beginn von Seite F ausgedehnt gespielt, mit sichtbarer Spielfreude und sicherem Gespür für Dynamik. ´Down To The River To Pray´ bildet einen ruhigen Moment, fast andächtig vorgetragen, bevor ´There Is A Reason´ das Konzert mit ernster, gefasster Stimmung beschließt.

Die Wiederveröffentlichung von ´Live´ im Jahr 2025 verleiht diesem Album eine neue Präsenz. Das auf 180g gepresste Vinyl, gefertigt bei “Quality Record Pressings” und geschnitten bei “The Mastering Lab”, bringt die Aufnahme mit der erhofften großen Klarheit zur Geltung. Die Instrumente stehen sauber nebeneinander, der Gesang bleibt stets greifbar, leise Passagen behalten ihre Feinheit, kräftige Momente ihre Kontrolle. Man hört das “Louisville Palace” als Ort, als Saal, als Teil der Musik.

´Live´ zeigt ALISON KRAUSS & UNION STATION auf dem Höhepunkt ihrer gemeinsamen Entwicklung. Dieses Album ist keine schlichte Demonstration von Können, sondern eine ruhige, selbstbewusste Darbietung einer Band, die weiß, wer sie ist. In seiner Zeitlosigkeit, seiner musikalischen Klarheit und seiner spürbaren Nähe zur Bühne bleibt dieses Live-Album ein Referenzpunkt für modernen Bluegrass und darüber hinaus.

https://www.facebook.com/OfficialAlisonKrauss

Technischer & Sammler-Infoblock

ALISON KRAUSS & UNION STATION – ´Live´ (2002 / 2025 Vinyl Reissue)


Aufnahme

Datum:
29.–30. April 2002

Ort:
Louisville Palace
Louisville, Kentucky, USA

Art der Aufnahme:
Mehrspur-Liveaufnahme
Digital aufgenommen


Originalveröffentlichung

Format:
2×CD

Erscheinungsjahr:
2002

Auszeichnung:
GRAMMY® Award – Best Bluegrass Album


Vinyl-Wiederveröffentlichung

Jahr:
2025

Label:
Craft Recordings / Rounder Records

Format:
3×LP · 33⅓ RPM

Pressgewicht:
180 Gramm

Cover:
Triple Gatefold


Mastering & Schnitt

Mastering Studio:
The Mastering Lab

Lackschnitt:
The Mastering Lab, USA

Cut by:
Matthew Lutthans

Schnittkennung:
TML-M (Deadwax)

Quelle:
Digital Recording


Pressung

Presswerk:
Quality Record Pressings (QRP)

Vinyl:
Schwarzes Standardvinyl
Sehr geringe Oberflächengeräusche


Seitenaufteilung

Side A–F:
Gesamtlaufzeit ca. 100 Minuten

Besonderheit:
Vollständige Konzertlänge ohne Kürzungen


Bandbesetzung (auf der Aufnahme)

Alison Krauss – Leadgesang, Fiddle
Jerry Douglas – Dobro, Resonator-Gitarre
Dan Tyminski – Gitarre, Mandoline, Lead- und Begleitgesang
Ron Block – Banjo, Gitarre, Lead- und Begleitgesang
Barry Bales – Akustischer Bass, Begleitgesang
Larry Atamanuik – Schlagzeug, Percussion


Leadgesang – vollständige Übersicht

Leadgesang Alison Krauss:
´Let Me Touch You For Awhile´
´The Lucky One´
´Baby, Now That I’ve Found You´
´Every Time You Say Goodbye´
´Stay´
´Broadway´
´Ghost In This House´
´Forget About It´
´Take Me For Longing´
´Maybe´
´But You Know I Love You´
´When You Say Nothing At All´
´New Favorite´
´Down To The River To Pray´
´There Is A Reason´

Leadgesang Dan Tyminski:
´Bright Sunny South´
´Tiny Broken Heart´
´The Boy Who Wouldn’t Hoe Corn´
´I Am A Man Of Constant Sorrow´

Leadgesang Ron Block:
´Faraway Land´


Instrumentalstücke (ohne Leadgesang)

´Choctaw Hayride´
´Cluck Old Hen´
´A Tribute To Peador O’Donnell / Monkey Let The Hogs Out´
´We Hide & Seek´


Gesangliche Einordnung

Der überwiegende Teil des Albums wird von Alison Krauss als Leadstimme getragen. Dan Tyminski und Ron Block übernehmen gezielt einzelne Titel sowie tragende Harmoniestimmen. Barry Bales ergänzt punktuell tiefere Gesangslagen. Die vokale Rollenverteilung ist klar definiert und konsequent umgesetzt.


Technische Einordnung

Die Aufnahme dokumentiert das Konzert ohne nachträgliche Eingriffe. Die 2025er Vinylfassung bewahrt den Charakter der Originalproduktion und profitiert von der Kombination aus Schnitt bei “The Mastering Lab” und Pressung bei “Quality Record Pressings”. Gesang und akustische Instrumente werden klar abgebildet, leise Passagen bleiben differenziert, dynamische Spitzen kontrolliert.


Sammlerhinweis

Diese 2025er Wiederveröffentlichung gilt als klanglich bislang überzeugendste physische Ausgabe von ´Live´. Innerhalb moderner Bluegrass-Reissues besitzt sie Referenzstatus und richtet sich ausdrücklich an Sammler, die Wert auf vollständige Konzertabbildung, hochwertige Pressung und saubere Dokumentation legen.

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