
HIDAS – A Sense Of Impending Doom
2026 (Tonzonen Records) - Stil: Rock, Doom, Doom Metal
HIDAS sind ein instrumentales Trio aus München, das tief im Doom Metal verwurzelt ist und gleichzeitig die Grenzen des Genres souverän aufbricht. Flo Bätz an der Gitarre, Christoph Mühlbauer am Schlagzeug und Richard Noyn am Bass spielen seit Jahren zusammen und schöpfen aus dieser Vertrautheit eine bemerkenswerte musikalische Präzision. Jeder Ton sitzt, jeder Rhythmus fällt genau auf den Punkt, und selbst in den langsamsten Passagen wirkt das Zusammenspiel organisch und zwingend. Die Musik erzählt ohne Worte, aber ihre Wirkung ist unmittelbar: Spannung, Schwere, Dramatik entfalten sich wie von selbst, getragen von der reinen Kraft von Riffs, Grooves und harmonischen Entscheidungen.

´A Sense Of Impending Doom´ beginnt mit ´Dynger´, einem massiven, doomigen Einzug. Die Gitarre von Flo Bätz legt ein zähes Fundament aus bleischweren Akkorden, die wie steinerne Wände aus der Tiefe wachsen, während Christoph Mühlbauer jeden Schlag auf der Snare und den Toms punktgenau setzt, als wolle er die Zeit selbst in dunkle Intervallen pressen. Richard Noyn treibt mit seinem Bass einen unaufhaltsamen Unterton voran, der das gesamte Klanggebäude stützt, während subtile harmonische Schwingungen in den höheren Registern aufblitzen. Der Song breitet sich aus, gletscherartig langsam, aber voller wuchtiger Stoner-Energie, und man spürt jede Vibration, als ob die Luft vor Schwere erzittert.
´Splint´ schlägt sofort einen Kontrast, ein wütender, treibender Ritt, bei dem die 90er-Schweden-Death Metal-Einflüsse deutlich werden. Die Drums peitschen vorwärts, Double-Bass-Läufe schießen durch die Stücke, während die Gitarren messerscharfe Riffs schneiden und der Bass alles miteinander verbindet. Es ist, als würde man durch ein brennendes Labyrinth jagen, die Dunkelheit im Rücken, und dennoch immer den Boden unter den Füßen spüren. Jeder Schlag, jedes Zupfen der Basssaiten, jede Verzerrung hat Gewicht, die Musik zwingt zum Aufhorchen, und die knapp vier Minuten fühlen sich wie ein komprimiertes, episches Inferno an.
´ASOID´ taucht in Funeral Doom-Klanglandschaften ein, die sich schwer und schwarz wie Molasse entfalten. Die Gitarren ziehen langsame Bögen, die Bässe summen tief und drängend, während die Drums sich selten zu Akzenten erheben und stattdessen den fließenden, düsteren Strom des Stücks begleiten. Man hört die Traurigkeit und Verzweiflung in jeder Note, das Gefühl drohenden Unheils wird physisch spürbar, während der Song in zähem, hypnotischem Rhythmus wächst und sich langsam um den Hörer schlingt.

Seite B beginnt mit ´Vakuum´, einem Schlag wie ein massiver Hieb. Das Schlagzeug donnert, die Gitarren reißen Black Metal-Riffs in die Luft, die Basslinien wuchten alles zusammen, und dann schiebt sich ein Groove dazwischen, der die Wucht kanalisiert, bevor die Musik wieder in langsame, schwere Doom-Passagen sinkt. ´Vakuum´ zeigt die Vielseitigkeit der Band, den Wechsel zwischen gnadenloser Aggression und stoischer Schwere, und lässt jeden Hörer erleben, wie dynamisch Doom Metal sein kann, ohne seine Wucht zu verlieren.
´Cisza´ wirkt wie ein kurzer, fast meditativ wirkender Moment der Stille, doch der Schein trügt. Sanft schwebende Gitarrenflächen werden von präziser, starker Percussion durchzogen, die Musik wirkt schwerelos und zugleich intensiv, als würde man in einem schwebenden Raum voller Spannung hängen, bevor der finale Track die ganze Kraft bündelt.
´The Riddle´ beendet das Album mit einer Ode an den True Metal. Gitarren schlagen monumentale Akkorde, Drums und Bass treiben die letzten Impulse durch das Herz des Hörers, während die Musik den gesamten Druck des Albums in einem triumphalen, erhobenen Finale bündelt. Es ist ein Ende mit gen Himmel gereckter Faust, nachdem die dunklen Wellen von ´A Sense Of Impending Doom´ ihren Weg genommen haben.

Die Produktion verstärkt diesen Effekt. Roh genug, um die Kanten von Gitarre, Bass und Schlagzeug hörbar zu machen, gleichzeitig präzise, sodass jedes Detail sitzt und die Verbindungen zwischen den Musikern spürbar werden. Die Dynamik zwischen langsamen, schwerfälligen Passagen und plötzlichen Beschleunigungen gewinnt dadurch an physischer Präsenz, jeder Schlag, jedes Zupfen, jede Harmonieführung ist unmittelbar greifbar.
´A Sense Of Impending Doom´ ist ein eindringliches Statement der Münchner Musiker, das Erfahrung, Präzision und emotionale Tiefe zu einer kohärenten musikalischen Welt verschmelzen lässt. Hier geht es um mehr als nur Schwere; es geht um Dramatik, um die Fähigkeit, ohne Worte zu erzählen. HIDAS zeigen, dass Instrumentalmusik im Doom Metal genauso überwältigend, packend und episch sein kann wie jede vokalgestützte Komposition, und dass jedes Stück wie ein kleines Universum aus Spannung, Gewicht und melodischem Gewicht wirkt.
Die limitierte Vinylausgabe von 400 Stück in weiß-schwarzem Splatter, inklusive Insert und Download-Karte, gibt dieser Erfahrung die physische Form. ´A Sense Of Impending Doom´ ist schwer, düster, mächtig und präzise, ein Werk, das sowohl die Kunstfertigkeit der Musiker als auch ihre unbändige kreative Energie hörbar macht.
(Bleischwere 8 Punkte)
https://www.facebook.com/hidasdoom
Pic: Marie Lehmann
(VÖ: 23.01.2026)



