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KLAUS LAGE – Heisse Spuren

1985/2023 (Universal Music) - Stil: Deutschrock

Das Album ´Heisse Spuren´ musste sich 1985 natürlich jeder in die Plattensammlung stellen, weil hier der bis heute legendäre Song ´Faust auf Faust´ enthalten ist, der durch den ersten Kinofilm „Zahn um Zahn“ von Schimanski („Für mich ist die ganze Welt ein großer Arsch“) bekannt wurde. Dieser Song traf einen Nerv, weil er das Bild des harten Einzelgängers zeichnete, der sich durchschlägt, zweifelt und trotzdem Haltung bewahrt.

Klaus Lage hatte sich allerdings längst mit seinen vorherigen Alben als Stimme des deutschen Rock etabliert, mit dem Werk ´Schweißperlen´ und Hits wie ´1000 und 1 Nacht (Zoom!)´ bereits den Durchbruch geschafft. Auf dem Nachfolger zeigt er erneut, wie er Rock und Herz miteinander verbindet. ´Heisse Spuren´ lässt sich daher problemlos als einer der Höhepunkte seiner frühen Schaffensphase verstehen.

Schon der erstklassige Opener ´Starke Schläge´ packt den Hörer direkt, mit treibendem Schlagzeug, markanten Gitarrenriffs und der gewohnt rauen, prägnanten Stimme, die jeden Moment mit Nachdruck füllt. Der Song wirkt wie ein Startschuss, bei dem es um Durchhalten und Widerstand geht, um Schritte nach vorn trotz Gegenwind. ´Out´ entfaltet anschließend eine ironische Attitüde. Die Gitarren springen, der Rhythmus groovt und Klaus Lage singt über alles, was gerade „out“ ist, von Modetrends bis zu gesellschaftlichen Posen, mit spürbarer Distanz und trockenem Humor. Der Song hält auf peppige Weise der Zeit den Spiegel vor.

In ´Stille Wasser´ erzeugen eher sanfte Gitarren eine balladeske Stimmung, während Klaus Lage von einer vorsichtigen Annäherung erzählt, von Momenten, in denen Nähe plötzlich mehr bedeutet als geplant. Die Melodie trägt diese Geschichte ruhig und konzentriert. ´Vermisst´ arbeitet ebenfalls zurückhaltender, mit melancholischen Harmonien, leichten Keyboards, etwas zuviel weiblichen Background-Gesängen und einem Schlagzeug, das die unterschwellige Unruhe begleitet.

Dann bricht ´Faust auf Faust´ herein, der Klassiker aus dem Schimanski-Kinofilm. Aggressive Gitarren, treibendes Schlagzeug und eine Stimme, die Härte und Verletzlichkeit zugleich trägt, formen das Porträt eines Mannes, der sich behaupten muss, obwohl er längst weiß, wie brüchig Stärke sein kann. Der Song ist und bleibt ein Klassiker und somit der markante Fixpunkt des Albums.

´Istanbul´ wagt sich in sozialkritische Gefilde. Der Song erzählt von Fremdheit, Ablehnung und dem Blick auf das Andere, ohne zu dozieren, sondern mit ruhigem Ernst. Klaus Lage trägt den Text mit Nachdruck vor und macht die innere Spannung dieser Begegnung spürbar. In ´Zuviel Allein´ geht es hernach um Einsamkeit, die nicht spektakulär ist, sondern sich einschleicht. Die Gitarren stützen die Stimme, während Klaus Lage schlichtweg von Nähe singt, die fehlt. ´Eifersucht´ zieht das Tempo an. Spitze Riffs, ein vorwärtstreibendes Schlagzeug und ein Text, der die innere Unruhe offenlegt, machen den Song zu einem emotional aufgeladenen Stück, das den Druck zwischen Misstrauen und Begehren greifbar macht.

´Weihnachtszeit´ schlägt einen eigenen Ton an. Zwischen vertrauten Bildern, stiller Melancholie und vorsichtiger Wärme entsteht ein Song, der die Ambivalenz dieser Tage einfängt, Nähe und Einsamkeit liegen hier dicht beieinander. Klaus Lage singt mit ruhiger Präsenz und gibt der Stimmung Raum. Das abschließende ´Taxi´ rundet das Album mit Fingerschnippen ab und erzählt vom Weiterfahren und Nichtstehenbleiben bis zum Morgengrauen. Der Song setzt den finalen Schlusspunkt.

´Heisse Spuren´ zeigt Klaus Lage in souveräner Form. Jeder Song ist handgemacht, mal ironisch, mal ernst, immer nah an den Figuren und Geschichten. Die Mischung aus Rock, Humor und erzählerischer Kraft macht dieses Album zu einem festen Bestandteil der deutschen Musikgeschichte, und die Wiederveröffentlichung auf silbernem Vinyl im Jahr 2023 lässt diese Songs erneut glänzen, ohne ihnen etwas von ihrer ursprünglichen Wirkung zu nehmen.

https://www.facebook.com/Klaus.Lage.Amtlich

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