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SISTER – The Way We Fall

2025 (Icons Creating Evil Art/Rough Trade) - Stil: Sleaze Rock/Metal

Mit ´The Way We Fall´ legen SISTER ihr inzwischen fünftes Studioalbum vor und zeigen einmal mehr, wie konsequent sie ihren eigenen Pfad zwischen punkiger Direktheit, düsterem Rock und theatralischem Ausdruck verfolgen. Seit ihrer Gründung haben Jamie Anderson, Cari Crow, Fredrick Hiitomaa und Axl Ludwig ihren Stil stetig verfeinert, und auf diesem neuen Werk wirkt die Band reifer und entschlossener, ohne die scharfe Energie ihrer Anfangstage einzubüßen.

Schon der Einstieg mit dem Titelstück ´The Way We Fall´ vermittelt, wohin die Reise führt. Der Song entfaltet seine Spannung aus einem schlanken, nach vorn drängenden Rhythmus, der Andersons heiser gefärbter Stimme den nötigen Widerstand bietet. Die Melodie öffnet sich mit feiner Dramaturgie, und die Band versteht es, einen düsteren Sog zu erzeugen, der sich ohne Effekthascherei entwickelt. Diese Mischung aus Direktheit und atmosphärischer Schwere prägt auch ´Howling Hell´, das stärker metallische Akzente setzt und die Dynamik zwischen den Instrumenten deutlicher hervorhebt. Die Gitarren von Axl Ludwig wirken hier kantig und klar, während Cari Crow und Fredrick Hiitomaa ein rhythmisches Fundament liefern, das jederzeit die Kontrolle behält.

Mit ´Tanz der Toten´ schlagen SISTER ein etwas anderes Kapitel auf. Der Song setzt stärker auf Stimmung, arbeitet mit einer einprägsamen Hook und führt die düstere Theatralik der Band zu einer Art makabrem Tanz, der sich weniger auf Provokation als auf Atmosphäre stützt. Die Intensität steigert sich anschließend mit ´Blood Sacrifice´, das sich in seiner Textur härter und enger anfühlt. Der Song verknüpft inhaltliche Schwere mit einem melodischen Refrain, der die Spannung zwischen Licht und Dunkel in der Musik der Band eindrucksvoll hörbar macht.

Einer der emotionalen Momente des Albums ist ´Let Me Be Your Demon´, das mit der Gaststimme von Linda Varg eine fast unerwartete Tiefe erhält. Die Ballade – oder besser gesagt die ruhende Phase dieser Platte – zeigt, wie kontrolliert SISTER ihre Intensität einsetzen können. Die Stimmen von Jamie Anderson und Linda Varg verschmelzen zu einer berührenden, fein aufgeladenen Stimmung, die dem Album einen empfindsamen Kontrapunkt verleiht, ohne an Schärfe zu verlieren.

In den folgenden Stücken – darunter ´Blinded And Buried´, ´Rose Red´ und ´Die To Live´ – variiert die Band ihr Spannungsfeld zwischen Sleaze-Erbe, metallischen Einschüben und punkiger Rasanz. Sie tut dies auf eine Weise, die deutlich macht, wie stark sie inzwischen über ihr eigenes Klangvokabular verfügt. Besonders ´Mortal Sin´ unterstreicht diese Reife mit einem betont groovenden Mittelteil und einer Melodik, die sich fast unterschwellig in den Vordergrund schiebt. Das abschließende ´When She Dies´ führt das Album in einen nachdenklicheren Ton und lässt eine leise Unruhe zurück, die dem Werk eine zusätzliche Tiefe verleiht.

´The Way We Fall´ wirkt damit wie eine Bestandsaufnahme einer Band, die ihre Identität ausformuliert hat und sie nun bewusst weiterentwickelt. Nicht jeder Moment überrascht, aber die Handschrift ist klar, die Intensität spürbar und die musikalische Vision eindringlich genug, um das Album immer wieder hörenswert zu machen. SISTER verbinden rohe Energie mit sorgfältigem kompositorischem Bewusstsein – ein Gleichgewicht, das sich hier stärker denn je zeigt.

(7,5 Punkte)

https://www.facebook.com/sisterband


Pic: Basse Hellgren

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