
Die ersten beiden ALCATRAZZ-Alben waren Sternstunden des Heavy Metal mit Graham Bonnet unverwechselbar am Mikro und Yngwie Malmsteen bzw. Steve Vai als Virtuosen an der Gitarre. Nun, die beiden Gitarristen waren bei ALCATRAZZ schnell Geschichte. Graham Bonnet hat es immer noch einmal unter dem Namen versucht, bevor er ging bzw. ihm der Stuhl 2020 vor die Tür gesetzt wurde. Ohne Graham ist ALCATRAZZ für mich eigentlich relativ uninteressant und die folgenden Veröffentlichungen waren okay, aber halt nicht die ALCATRAZZ, die in den 80er-Jahren Geschichte geschrieben haben.
Wer kommt also auf die Idee, sieben Klassiker des ersten Albums ´No Parole From Rock’n’Roll´ von 1983 ohne Graham noch einmal einzuspielen? Und ohne Yngwie, der für mich nie mehr so gut war wie auf diesem ALCATRAZZ-Album, was auch die folgende Live-Veröffentlichung 1984 und in der ergänzten Wiederveröffentlichung im Jahr 2018 bewies. Und zusätzlich zwei Songs vom ´Disturbing The Peace´-Album neu einzuspielen, dass dank Graham und Steve Vai mindestens so stark wie der Vorgänger war? Nun, Sänger und Manager Giles Lavery, der schon 2020 das Ruder übernommen hat, hatte die Idee, neun alte Klassiker neu einzuspielen und durch zwei neue Kompositionen zu ergänzen.
Es beginnt mit einem der neuen Songs, einem zweiminütigen Intro mit Gitarre à la Ritchie Blackmore / Yngwie Malmsteen und Horroratmosphäre: ´Transylvanian Requiem´. Dann folgt der zweite neue Song ´Stand And Wait Your Turn´. Gitarre spielt Poser-Shredder Joe Stump, der noch 2018 und 2019 mit Graham Bonnet auf Tournee war und in den 90er-Jahren der männliche Gegenpart zu THE GREAT KAT war (okay, nehme ich wieder zurück). Jimmy Waldo und Gary Shea, ALCATRAZZ-Altrecken, gehören weiterhin zur Band. ´Stand And Wait Your Turn´ ist okay und klassischer 80er-Jahre Metal. Giles Lavary singt ganz gut, ist aber kein Graham Bonnet. Und Joe Stump kann dem jungen Yngwie Malmsteen bei weitem nicht das Wasser reichen, auch wenn er viel shreddert und quietscht wie einst Yngwie. Und Vergleiche mit Steve Vai möchte ich gar nicht erst anstellen.
Man hört aber den klaren Qualitätsunterschied bei den neun folgenden Wiedereinspielungen. Wer die Originale kennt (und innig liebt wie ich) kann den Neueinspielungen nicht viel abgewinnen. Fertig. Punkt. Giles singt 1:1 wie Graham. Das klingt einigermaßen. Klingt aber teilweise gequält und nie so gut wie das Original. Joe kann mit seiner Gitarre für meinen Geschmack nie an die Original-Sternstunden von Yngwie oder Steve anknüpfen. Egal, was man von Yngwie hält. Er war damals unvergleichbar. Und Steve hatte auch eine Sternstunde auf ´Disturbing The Peace´.
Insgesamt unnötig. ´Jet To Jet´ wird während des Solos auch noch mit unnötigem Background Gesang zugekleistert. Das messerscharfe Riff von ´Hiroshima Mon Amour´ ist zahnlos geworden. Vieles wird von den Keyboards verwischt und zugekleistert. Usw. Usf. Das wunderschöne ´Kree Nakoorie´ ist deutlich länger, aber auch deutlich emotionsloser. Die unvergleichbare Stimmung vor 42 Jahren kann niemals wieder reproduziert werden. Und sollte auch nicht.
Wer die beiden Original-Alben nicht kennt, sollte sich schnellstens die Originale zulegen. Mein Gott, war das gut. Habe zur Durchspülung meiner Ohren gleich einen doppelten Durchgang ALCATRAZZ im Original benötigt.
(Ohne Wertung)
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