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MOOR MOTHER – Analog Fluids Of Sonic Black Holes

2025 (MDG) - Stil: Orchestrale Avantgarde

Es gibt Musik, die Räume füllt. Und dann gibt es Musik, die Räume sprengt. Moor Mothers ´Analog Fluids Of Sonic Black Holes´ gehört zur zweiten Sorte. 2019 erschien dieses dritte Album der US-amerikanischen Künstlerin Camae Ayewa – bekannt als Moor Mother – und setzte eine Schneise in die zeitgenössische Musiklandschaft. Ein Werk zwischen Spoken Word, Noise, Hip-Hop, Spirituals und elektronischer Dichte. Ein Album wie ein schwarzes Loch, alles verschlingend, undurchdringlich, zugleich funkelnd vor Energie.

Jetzt liegt das Werk in seiner neuen, orchestralen Studiofassung vor – aufgenommen zwischen August 2023 in den Proberäumen des Gürzenich Orchesters Köln und Mai 2024 im Hansahaus Studio Bonn, produziert von Werner Dabringhaus und Friedrich Wilhelm Rödding. Ian Anderson, Bratscher, Arrangeur und Mitglied des Streichquintetts Wooden Elephant, hatte das Album gemeinsam mit Wooden Elephant und dem Beethoven Orchester Bonn im Jahre 2022 neu geformt. Was einst als fiebriger Strom elektronischer Klangmassen begann, ist hier zu einem orchestralen Gesamtkunstwerk gereift, das die eruptive Kraft des Originals bewahrt und in symphonische Dimensionen hebt.

Die Songs entfalten sich in dieser Aufnahme wie kosmische Strudel aus Wut, Erinnerung und unbändiger Energie. ´Shadowgrams´ vibriert nun in orchestraler Dichte, die Streicher wogen wie ein drängendes Meer, während Moor Mothers Stimme wie eine Urgewalt darüber thront – ein Mahnmal gegen das Vergessen. ´LA ’92´, Erinnerung an Latasha Harlins und Rodney King, entfaltet sich als orchestrales Inferno. Schlagwerk, Bässe, Stimmen und Streicher verschmelzen zu einer Klanglandschaft, die den Schmerz, die Gewalt und die kollektive Wut der Geschichte spürbar macht. ´Don’t Die´ ist ein Aufbäumen, ein Schrei, ein Atemzug aus Widerstand – getragen von einem Orchester, das den Druck der Realität in jede Note gießt. Und in ´The Passing Of Time´ öffnet sich ein Fenster aus Licht, aus dem Moor Mother die Geschichten schwarzer Frauen erzählt. Deren Leben, Arbeit und Überleben bilden die Rückgratlinie dieses Albums.

Die neue Version von ´Analog Fluids Of Sonic Black Holes´ ist kein bloßes Dokument einer Live-Erfahrung, die sie zuvor beim Beethovenfest Bonn gemacht hatten. Ian Anderson und Wooden Elephant verwandeln die apokalyptische Energie des Originals in orchestrale Wucht, ohne das rohe Original zu glätten. Die orchestrale Fassung katapultiert Moor Mothers Werk in neue Dimensionen. ´Analog Fluids Of Sonic Black Holes´ wird endgültig zu einem epischen Statement mit politischem Bewusstsein und künstlerischer Vision, das Vergangenheit kanalisiert, Gegenwart aufrüttelt und die Zukunft herausfordert.

https://www.facebook.com/MoorMother


(VÖ: 26.09.2025)

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