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DEFTONES – private music

2025 (Warner Records) - Stil: Alternative Metal

Drei Jahrzehnte, zehn Alben, unzählige Nachahmer – und immer noch stehen DEFTONES wie ein seltsamer Monolith zwischen den Welten.

Gegründet 1988 in Sacramento, damals noch inmitten der aufkommenden Nu Metal-Welle, sind sie längst aus dieser Schublade herausgewachsen. Von ´Adrenaline´ (1995) bis zum Klassiker ´White Pony´ (2000) haben sie sich stetig neu erfunden – und nicht erst mit ´Diamond Eyes´ (2010) und ´Koi No Yokan´ (2012) eine Klangsprache gefunden, die niemand sonst so spricht: schwebend und brutal, zärtlich und vernichtend.

Allerdings war es nach dem von Terry Date produzierten ´Ohms´ (2020) still geworden. Fünf Jahre Pause – die längste in der Bandgeschichte. Doch jetzt sind sie wieder da und Produzent Nick Raskulinecz, der schon für zwei der kraftvollsten Kapitel im Band-Kanon verantwortlich war, gelingt es auf ´private music´ abermals die Spannungen und den Schwebezustand von DEFTONES einzufangen.

Gleich am Anfang zerlegt ´My Mind Is A Mountain´ alle über die Jahre angehäuften, im Weg stehenden Barrikaden. Ein kantiges Riff und Chino Morenos Stimme werden zum Schrei nach Befreiung. Die fünf Jahre Stille spürt man als angestaute Energie, die hier wie ein Erdbeben langsam hervorbricht. Direkt danach weht mit ´Locked Club´ eine andere Brise. Schwere Schwingungen, eine fast punkige Lässigkeit, während Chino Moreno in die Höhe zieht. Ein Song, der zum Losreißen zwingt, cool und aufgeladen zugleich.

Noch dunkler und etwas elektronischer wird es in ´Ecdysis´, wo Frank Delgados Schattenkämpfe und Stephen Carpenters schwere Riffs ineinanderfließen. Ähnlich einer Häutung, musikalisch wie textlich, ein schmerzhaftes Abwerfen von nutzlosen Schichten. Mit ´Infinite Source´ schiebt sich sodann ein ausgesprochen hymnisches Stück nach vorn, als würden die Gitarren Wellen schlagen, während sich ´Souvenir´ über sechs Minuten – mal schwebend, mal eruptiv – wunderbar entfaltet. Doch bereits ´CXZ´ explodiert wieder, hektisch und zornig, wie ein Moshpit.

Die Ruhe vor dem Sturm kehrt nochmals in ´I Think About You All The Time´ zurück. Fragile Gitarrenlinien, fast geflüsterter Gesang, schön geisterhaft. Mit ´Milk Of The Madonna´ beschwört Chino Moreno eine sakrale Stimmung, ein Song zwischen Faszination und Bedrohung. Weitaus roher wirkt ´Cut Hands´. Eine Rückkehr zur alten Wut, diesmal mit chirurgischer Präzision, eine Rückkehr zum Hüpfen der 90s. ´Metal Dream´ taumelt hernach in ein Delirium, gefangen in einem fiebrigen Traum, ehe das Finale ´Departing The Body´ in offenen Räumen, in cineastischer Weite schwebt. Kein Schluss, eher ein Übergang ins Unbekannte.

´private music´ ist weder ein nostalgischer Rückgriff noch eine radikale Neuerfindung. Es balanciert die Gegensätze, aus denen DEFTONES seit jeher bestehen, frisch aus: Härte und Zartheit, Lärm und Stille, Intimität und Überwältigung. Im Gegensatz zum Vorgänger ´Ohms´, der versuchte, alle Strömungen der Bandgeschichte gleichzeitig zu bedienen, wirkt ´private music´ freier, fast unbeschwert. So, als hätte die Band beschlossen, nur noch das zu spielen, was sie selbst hören will. Schließlich haben sich DEFTONES in den letzten 30 Jahren eine Nische geschaffen, die niemand sonst so füllen kann.

(9 Punkte)

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