
VAN MORRISON – Moondance
1970/2026 (Warner Bros. Records / Analogue Productions) – Stil: Rock, R&B, Soul, Jazz, Folk
Als ´Moondance´ im Januar 1970 erschien, markierte es einen Wendepunkt in der Karriere von Van Morrison. Dem 24-jährigen gelang nach dem kommerziellen Misserfolg von ´Astral Weeks´ mit diesem dritten Studioalbum der Durchbruch. Die introspektive, poetische Sprache im Folk und Jazz des brillanten Vorgängers wich einer klar strukturierten, melodisch zugänglichen Klangsprache, ohne dabei an spiritueller Intensität zu verlieren.
In einem Haus in den Catskill Mountains begann Van Morrison 1969 mit der Arbeit an den neuen Songs. Diese waren stärker im Rhythm & Blues verwurzelt und vereinten Soul, Jazz, Pop und irische Folk-Elemente. Die Aufnahmen selbst fanden zwischen August und September 1969 in den “A&R Studios” von New York statt. Erstmals übernahm Van Morrison selbst die Rolle des Produzenten und setzte seine künstlerische Vision um.
Begleitet wurde er von einer exzellenten Band, darunter John Platania an der Gitarre, Jef Labes an Piano und Orgel sowie Jack Schroer und Collin Tilton an den Bläsern. Van Morrison bezeichnete diese Formation als „Two Horns & A Rhythm Section“ – eine Besetzung, die den warmen, souligen und zugleich jazzdurchdrungenen Sound des Albums entscheidend prägte. Viele Gesangsspuren entstanden live im Studio und bewahren bis heute die Magie des Augenblicks.

Thematisch bewegt sich ´Moondance´ zwischen spiritueller Erneuerung, romantischer Hingabe und der mystischen Schönheit der Natur. Die Texte sind direkter und greifbarer als auf ´Astral Weeks´, ohne ihre poetische Natur einzubüßen. Van Morrison verankert das Transzendente im Irdischen – ein Spannungsfeld, das zum Markenzeichen seines Œuvres werden sollte.
Der Opener ´And It Stoned Me´ beschwört eine Erinnerung an Morrisons Jugend in Nordirland. Getragen von akustischer Gitarre und sanftem Groove entfaltet sich eine Erzählung über ein scheinbar banales Erlebnis, das sich in eine spirituelle Offenbarung verwandelt. Der Ausdruck „stoned“ beschreibt dabei ein Gefühl der Entrückung und inneren Ruhe, nicht etwa einen Drogenrausch.
Der Titelsong ´Moondance´ zählt zu den bekanntesten Kompositionen des Albums. Mit seinem eleganten Jazz-Swing, getragen von Walking Bass, Piano und Saxophon, erweckt er die romantische Magie einer herbstlichen Nacht. Morrison phrasiert hier mit der Leichtigkeit eines Crooners und verbindet Jazzästhetik mit der Emotionalität des Rock.
Mit ´Crazy Love´ folgt eine intime Ballade. In falsettartiger Zartheit besingt Morrison die heilende Kraft der Liebe. Die warme Begleitung aus Akustikgitarre, sanften Bläsern und souligen Background-Chören verleiht dem Stück eine nahezu sakrale Aura.
´Caravan´ feiert die verbindende Kraft der Musik. Inspiriert von Radioklängen und der Romantik des fahrenden Lebens, entfaltet sich ein hymnischer Rhythm-and-Blues, der zwischen ruhiger Erzählung und ekstatischer Steigerung pendelt. Der Song wurde später zu einem festen Bestandteil seiner legendären Live-Auftritte.
Mit ´Into The Mystic´ erreicht das Album einen seiner spirituellen Höhepunkte. Sanfte Bläser, maritime Bildwelten und Morrisons sehnsuchtsvoller Gesang erschaffen eine zeitlose Klanglandschaft zwischen Folk, Soul und Transzendenz. Die Metapher der Reise über das Meer steht dabei für Transformation, Heimkehr und mystische Vereinigung.
Die zweite Albumhälfte zeigt Morrison von seiner zugänglicheren Seite. ´Come Running´ besticht durch Leichtigkeit und radiotauglichen Charme, während ´These Dreams Of You´ mit surrealen Traumsequenzen und Anklängen an den Soul überrascht.
Mit ´Brand New Day´ entfaltet sich ein hymnisches Bekenntnis zur Erneuerung. Getragen von Klavier, Bläsern und Chor steigert sich der Song zu einem emotionalen Höhepunkt, der Zuversicht und Befreiung ausstrahlt.
Das sanft schwingende ´Everyone´ vermittelt mit seinem pastoralen Charakter eine Botschaft der Hoffnung und Gemeinschaft, bevor ´Glad Tidings´ das Album mit federndem Rhythmus und optimistischer Energie beschließt. Seine Mischung aus R&B-Groove und poetischer Andeutung bildet einen beschwingten Abschluss.

Als ´Moondance´ im Februar 1970 erschien, schlug es eine völlig andere Richtung ein als sein mystischer Vorgänger. Während ´Astral Weeks´ ein introvertiertes, beinahe entrücktes Experiment geblieben war, suchte Van Morrison nun die Klarheit. Mit einer neuen Band aus Woodstock schuf er ein Werk, das die spröde Melancholie Irlands mit der strahlenden Professionalität des amerikanischen Rhythm and Blues und Jazz verschmolz.
Allerdings wurde das Werk nicht ausschließlich mit Begeisterung aufgenommen, im Vergleich zur rohen Intimität von ´Astral Weeks´ wurde der geschliffene Klang als zu glatt und radiotauglich empfunden. Was damals als kommerzieller Kompromiss galt, wird heute als handwerkliche Meisterschaft gefeiert. Inzwischen gilt das Album als eines der wenigen Werke, denen es gelingt, Jazz-Anspruch und Pop-Appeal ohne Qualitätsverlust zu vereinen. Regelmäßig erscheint es in Bestenlisten der Musikgeschichte und wird häufig als idealer Einstieg in Van Morrisons Œuvre empfohlen.
Seine legendäre Stellung verdankt ´Moondance´ vor allem drei Faktoren. Erstens der Omnipräsenz seiner Songs: Titel wie ´Moondance´ und ´Into The Mystic´ sind längst zu modernen Standards geworden. Zweitens der außergewöhnlichen handwerklichen Perfektion: Jede Note wirkt durchdacht, jeder Klang besitzt zeitlose Eleganz. Drittens seinem einzigartigen Wohlfühlcharakter: Kaum ein anderes Album verbindet musikalische Raffinesse mit solch unmittelbarer Wärme und Zugänglichkeit. Es ist gleichermaßen intellektuell anspruchsvoll und emotional tröstlich – ein zeitloses „Sonntagmorgen-Album“.
Für Van Morrison selbst markierte ´Moondance´ einen Meilenstein künstlerischer Selbstbestimmung. Als Produzent setzte er seine eigene Vision um und bewies, dass er genau wusste, welchen Klang er erreichen wollte. In seltenen Momenten der Offenheit bezeichnete er das Werk als „klassisch“ und den Titelsong als „sophisticated“ – ein Stück, das seiner Ansicht nach ebenso gut von Frank Sinatra hätte interpretiert werden können. Zugleich blieb sein Verhältnis zu dem Album gespalten. Rechtsstreitigkeiten und Veröffentlichungen ohne seine Zustimmung trübten rückblickend die Freude über seinen Erfolg.
Vergleicht man ´Astral Weeks´ und ´Moondance´, so betrachtet man zwei Seiten derselben Medaille – Nacht und Tag, Traum und Wirklichkeit. Während das eine Album ein introspektiver Bewusstseinsstrom ist, der zur inneren Einkehr einlädt, öffnet das andere den Raum für Licht, Wärme und Gemeinschaft. Zusammen bilden sie das unerschütterliche Fundament von Van Morrisons Legende.
´Moondance´ steht als das sonnige Gegenstück in seinem Katalog. Es besitzt eine handwerkliche Perfektion und eine lebensbejahende Wärme, die es zu einem zeitlosen Klassiker der Rockgeschichte machen. Wer dieses Album hört, erlebt keinen einsamen Suchenden, sondern einen Künstler auf dem Zenit seiner Kräfte, der die Magie des Augenblicks in zehn vollendeten Kompositionen eingefangen hat. Es ist ein lebendiges Stück Kultur, das auch nach über fünfzig Jahren nichts von seiner Strahlkraft verloren hat.
Audiophiler Hochgenuss
Mit der 45-RPM-Neuauflage von ´Moondance´ legen “Analogue Productions” und “Acoustic Sounds” eine Edition vor, die den Klassiker auch klanglich auf höchstem Niveau würdigt. Im Rahmen der “Acoustic Sounds 40 Series” zählt dieses Album zu den bedeutendsten Veröffentlichungen der Reihe.
Die Doppel-LP wurde von Matthew Lutthans im legendären “The Mastering Lab” geschnitten. Als Grundlage diente ein flacher 24-Bit/192-kHz-Transfer des originalen Masterbands. Die anschließende Entzerrung erfolgte über das vollständig analoge Röhrensystem des Hauses. Diese Verbindung aus hochauflösender Digitalquelle und analoger Signalführung sorgt für außergewöhnliche Transparenz, Detailreichtum und klangliche Authentizität.
Gepresst wurde die Edition auf 180g-Vinyl bei “Quality Record Pressings”. Die hochwertige Präsentation wird durch eine klassische Tip-On-Gatefold-Hülle im Doppel-Taschenformat von Stoughton Printing abgerundet, die dem Originaldesign in traditioneller Fertigung nachempfunden ist.
Da sich das originale Masterband teilweise verschlechtert hat, basiert diese Ausgabe auf einem hochauflösenden digitalen Archiv. Dennoch gelingt es dem Mastering, die klangliche Integrität des Originals zu bewahren und zugleich neue Feinheiten offenzulegen.
Klanglich überzeugt die Pressung mit einem erweiterten Dynamikumfang, einer präzisen Instrumententrennung und einer bemerkenswert offenen Raumdarstellung. Van Morrisons Stimme erscheint körperhaft und präsent. Im direkten Vergleich zu frühen Originalpressungen bietet diese 45-RPM-Version mehr Detailtiefe und Transparenz. Sie klingt unverkennbar wie das Original – nur klarer, dynamischer und räumlich präziser.
Unterm Strich ist diese Edition ein audiophiles Statement: technisch makellos gefertigt und klanglich eine faszinierende Neuinterpretation eines der bedeutendsten Alben der Rockgeschichte. Ein Muss für anspruchsvolle Vinyl-Liebhaber und ein würdiger Tribut an das Genie von Van Morrison.
(Klassiker)



