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FLORE LAURENTIENNE – Volume III

2026 (Secret City Records) - Stil: Neoklassik Ambient

Mit ´Volume III´ führen FLORE LAURENTIENNE um Komponist und Arrangeur Mathieu David Gagnon eine Entwicklung zu Ende, die 2019 mit dem ersten Teil begann und sich nun als geschlossener Zyklus präsentiert. Gleichzeitig öffnet dieses Werk bereits die nächste Tür. Was einst als Studioprojekt angelegt war, erscheint hier als gewachsene Einheit eines Ensembles, das sich über Jahre hinweg im Zusammenspiel gefunden hat. Die Stücke entstanden nicht mehr isoliert, sondern im direkten Austausch, wodurch sich das Album spürbar von seinen Vorgängern unterscheidet.

Der Einstieg mit ´Fleurs´ wirkt beinahe zerbrechlich, getragen von leisen Streicherfiguren, die sich vorsichtig entfalten, während im Hintergrund erste elektronische Schattierungen aufziehen. Diese anfängliche Zurückhaltung ändert sich jedoch schnell, sobald ´Régate´ einsetzt. Synthesizer und ein engagiert aufspielendes Streichensemble treiben sich gegenseitig an. ´Petit Matin´ zeichnet anschließend ein ruhiges Bild eines frühen Morgens. Die Streicher bleiben fast kammermusikalisch, während dezente Synthesizerflächen den Horizont weiten. In ´Le Temps´ schieben sich wiederkehrende Figuren langsam übereinander.

Mit ´Fleuve VII´ und ´Fleuve VIII´ greift das Album ein zentrales Motiv der bisherigen Diskografie auf und führt es hörbar weiter. Beide Stücke wirken stellenweise unruhiger als ihre Vorgänger, mit energisch gestrichenen Passagen, die sich gegen Synthesizer behaupten. ´Navigation VII´ bringt eine fast feierliche Note ins Spiel. Die gestapelten Harmonien erinnern in ihrer Anlage an barocke Satztechnik. Den Schlusspunkt setzt ´(À Travers Les) Chablis´, in dem Mathieu David Gagnon seine Musiker explizit auffordert, die Instrumente an ihre Grenzen zu führen. Dies verleiht dem Finale eine Intensität und deutet zugleich an, wohin sich FLORE LAURENTIENNE künftig entwickeln könnten.

Thematisch kreist ´Volume III´ um Zyklen, um Werden und Vergehen, um das Entstehen von Schönheit aus einem Zustand, der zunächst ungeordnet erscheint. Diese Idee zieht sich durch das gesamte Album, ohne sich in vordergründigen Konzeptdetails zu verlieren. Stattdessen entwickelt sich ein zusammenhängendes Werk, das Konzentration verlangt und seine Wirkung erst mit der Zeit vollständig entfaltet.

´Volume III´ steht damit als Abschluss und Aufbruch zugleich. FLORE LAURENTIENNE erreichen hier eine Reife, in der sich kollektives Spiel und klangliche Neugier zu einem geschlossenen Ganzen verbinden, das sich weder festlegen lässt noch einfache Antworten gibt.

(8,5 Punkte)

https://www.facebook.com/Florelaurentienne/


Pic: Alex Blouin & Jodi Heartz
(VÖ: 10.04.2026)

 

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