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SYRINX CALL – Mirrorneuron 2

2026 (Flat Earth Music/Timezone) - Stil: Art Rock, Filmmusik, Folk, Weltmusik, Ambient

´Mirrorneuron 2´ führt die auf dem Vorgänger begonnene Geschichte um den humanoiden KI-Roboter Kai konsequent weiter und bewegt sich zugleich deutlicher in Richtung Art und Progressive Rock. Bereits ´Mirrorneuron´ verband konzeptionellen Anspruch mit einer Mischung aus Folk, Ambient und Artrock, doch die neue Episode wirkt geschlossener, direkter und in vielen Momenten auch entschlossener.

Im Zentrum stehen weiterhin Volker Kuinke und Jens Lueck, die gemeinsam mit den Stimmen von Isgaard und Doris Packbiers den charakteristischen Klang von SYRINX CALL formen. Die Erzählung greift die Entwicklung von Kai auf, der nach seinem inneren Konflikt und der Begegnung mit der Psychotherapeutin Mara zunehmend eigene Maßstäbe entwickelt und dadurch in den Fokus jener Kräfte gerät, die ihn ursprünglich erschaffen haben. Diese Spannung trägt das gesamte Album.

Schon die eröffnende Ouvertüre ´Returning´ setzt auf die vertraute Verbindung von Blockflöte und Klavier, die sich behutsam entfaltet und nach und nach von Gitarren und Rhythmus getragen wird. Die Flöte bleibt dabei das bestimmende Element, das die Melodien führt. In ´Boundless Choices´ tritt der Gesang stärker hervor, begleitet von klaren Akkorden und einer ruhigen Entwicklung, die den inneren Zwiespalt der Figur hörbar macht.

Mit ´Organic Embodiment´ tendiert das Album deutlicher in Richtung Progressive Rock. Wechselnde Tempi, verschachtelte Passagen und markante Gitarren verleihen dem Stück eine spürbare Dynamik, während die Flöte immer wieder ihre Akzente setzt. ´Are You My Image´ lebt im Anschluss von einer ruhigen Melodie und einem fein abgestimmten Zusammenspiel der Stimmen.

In ´Wheel Of Emotions´ verbinden sich Streicher, Flöte und Gesang zu einem eingängigen Stück, das die melodische Seite der Band hervorhebt. ´Yearning´ baut sich langsam auf und führt über akustische Gitarren und steigende Intensität zu einem weiteren Höhepunkt.

´Attachment´ bringt anschließend mehr Nachdruck ins Spiel, mit klar akzentuierten Gitarren, während ´Emptiness´ das Geschehen auf eine fast zerbrechliche Stimmung zurückführt. Die Flöte bleibt auch hier präsent und trägt die Melodie durch das Stück.

´Mind Over Matter´ verbindet strukturierte Abschnitte mit präzise gesetzten Instrumentalpassagen. Das kurze Zwischenspiel ´Here…´ leitet in ´…And Now´ über, das sich als vielschichtiges Stück mit mehreren Abschnitten entfaltet und die erzählerische Entwicklung weiter vorantreibt. Den Abschluss bildet ´The Difference´, das die zuvor angelegten Motive aufgreift und in eine ruhige Schlussphase führt.

Auch diesmal tragen zahlreiche Gastmusiker zum Gesamtbild bei. Die Gitarren von Hannes Arkona (ex-ELOY) und Frank Bornemann (ELOY) setzen gezielte Akzente, während die Streicher von Katja Flintsch und Annika Stolze dem Album eine orchestrale Weite verleihen. Jens Lueck verbindet all diese Elemente mit sicherer Hand zu einem homogenen Klangbild, das die verschiedenen Einflüsse bündelt.

´Mirrorneuron 2´ wirkt insgesamt reifer und klarer gezeichnet als sein Vorgänger. Die stärkere Ausrichtung auf progressive Strukturen, kombiniert mit der prägenden Blockflöte und den markanten Stimmen, lässt ein Werk entstehen, das seine Geschichte konsequent fortsetzt und musikalisch weiter ausformuliert.

(8 Punkte)

https://www.facebook.com/Syrinxcall/

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