
MARC ATKINSON – Voices
2026 (Independent/Just For Kicks Music) - Stil: Rock
Wenn die Tage wieder länger werden, aber die Gedanken noch zwischen gestern und morgen hängen bleiben, entfaltet Musik ihre besondere Wirkung. Genau in solchen Momenten setzt ´Voices´ an, das neue Soloalbum von Marc Atkinson, der seit Jahrzehnten mit Projekten wie RIVERSEA, MOON HALO oder an der Seite von Lee Abraham eine feste Größe im Progressive Rock darstellt.
Schon das Cover trägt diese Stimmung in sich, und ebenso die ersten Töne von ´Where Do I Begin´, das sich mit akustischer Gitarre aufbaut und sich allmählich zu einem getragenen Prog-Epos entfaltet. Der Titelsong ´Voices´ wirkt danach fast wie ein intimer Konzertmoment, freundlich und offen, mit einem Refrain, der sofort begeistert.
Wie schon auf ´Heart & Soul´ bleibt Marc Atkinson auch hier seiner Handschrift treu. Viele Stücke entstehen aus der Ruhe heraus. ´All Out Of Love´ verzichtet vollständig auf Schlagzeug und lebt von sanften Gitarren und einer warmen Gesangslinie, während ´Anything Is Possible´ mit dezenten Rhythmen und feinen Backing-Vocals von Tamsin Wonderland und Enya Atkinson eine leise Zuversicht trägt.
Erst mit ´Every One of Us´ tritt die elektrische Gitarre wieder etwas stärker hervor, ohne die Grundstimmung zu verändern. Deutlich ernster wirkt ´Say It Isn’t So´, das mit dunkler Stimmung und einem eindringlichen Gitarrensolo von Martin Ledger hervorsticht. Ein kurzer Ausbruch gelingt mit ´Home´, das als kompakter Rocksong spürbar Energie freisetzt, bevor sich das Album wieder beruhigt.
´The Maze´ steigert sich aus einer schlichten Struktur zu einem eingängigen Refrain, während ´Help Me Believe´ von vielschichtigen Harmonien getragen wird, präzise begleitet von Maurizio Fornacca. Besonders nah wirkt ´I Will Follow´, reduziert auf Stimme und Gitarre, fast wie ein persönlicher Vortrag.
´So Far Away´ setzt auf eine klare Gesangsführung und zurückhaltende Keyboards. Dagegen entwickelt ´The Future Starts Tonight´ spürbar mehr Dynamik, steigert sich und endet in einem fast hymnischen Abschnitt. Den Abschluss bildet ´The Here And The Now´, ein längeres Stück, das sich Zeit nimmt und ganz auf Melodie und Stimme konzentriert.
Auch die Entstehung des Albums spiegelt diese Ruhe wider. Unterstützt wird Marc Atkinson von vertrauten Weggefährten wie David Clements und Bob Fleming am Bass, während er selbst Gesang, Gitarren und Keyboards übernimmt. Viele Songs kreisen um persönliche Erfahrungen, andere greifen die Stimmung der Gegenwart auf, ohne sie festzulegen. Es bleibt Raum für eigene Gedanken, für eigene Bilder.
So wird ´Voices´ zu einem Album für ruhige Stunden, für Momente zwischen Alltag und Rückzug. Kein lautes Rock-Album, sondern eine Sammlung von Liedern, die begleiten, wärmen und immer wieder neue Facetten zeigen.
(8 Punkte)



