
YELENA ECKEMOFF – Rosendals Garden
2026 (L&H Production) - Stil: Jazz, Jazz Fusion, Progressive Rock
Mit ´Rosendals Garden´ legt Yelena Eckemoff ein Werk vor, das weit über ein klassisches Trio-Album hinausgeht. Es ist ein persönliches Reisetagebuch in Klangform, gespeist aus Erinnerungen, Ortsbildern und einer künstlerischen Biografie, die zwischen Moskau und den Vereinigten Staaten gewachsen ist. Diese Musik trägt Spuren eines Lebens, das sich nie an Grenzen orientiert hat, sondern immer an dem inneren Antrieb.
Yelena Eckemoffs Weg beginnt früh, geprägt von strenger klassischer Ausbildung und einem Umfeld, in dem Disziplin selbstverständlich war. Gleichzeitig entwickelte sich früh eine Neigung zum Erzählen in Tönen. Nach der Emigration in die USA öffneten sich neue Räume, vor allem die Möglichkeit, Jazz und klassische Elemente frei zu verbinden. Diese Offenheit ist heute ihr Markenzeichen. Sie denkt Musik längst nicht mehr in Kategorien.
´Rosendals Garden´ entsteht aus einer wiederkehrenden Faszination für Schweden. Landschaft, Licht, Architektur und eine stille Vertrautheit wecken Erinnerungen an ihre alte Heimat. Die Aufnahmen finden im “RMV Studio” in Stockholm statt, einem Ort mit eigener Geschichte, gegründet von Benny Andersson. Diese Umgebung prägt den Klang hörbar.
An ihrer Seite stehen Svante Henryson und Morgan Ågren, zwei Musiker, die aktiv mitgestalten. Das Zusammenspiel wirkt selbstverständlich, fast beiläufig, und darin liegt seine Raffinesse.
Der Einstieg mit ´ABBA Museum´ ist lebendig, federnd, mit einem Augenzwinkern Richtung Popgeschichte. Das Cello greift die Melodie spielerisch auf. ´Rosendals Garden´ selbst beginnt ruhig, beinahe suchend, bevor das Stück lebendigere Passagen entdeckt. Hier zeigt sich Yelena Eckemoffs Gespür für Spannungsbögen besonders deutlich.
´Gamla Stan´ besitzt einen leicht düsteren Unterton, der gut zu den engen Gassen der Altstadt passt. ´Apple Orchard Café´ ist fast pastoral, getragen vom warmen Celloton, der das Stück weich umrahmt. In ´Öresund Bridge´ entsteht ein unruhiger Charakter, als würde man tatsächlich durch Nebel fahren.
´Skansen Park´ spielt mit Retro-Elementen, leichtfüßig und beweglich, während ´Sunrise In Rimbo´ fast schwebend agiert, mit viel Raum für feine Nuancen. ´Ruins Of Älvsborg´ beginnt mit einem klaren Marschrhythmus, entwickelt dann eine fast unheimliche Atmosphäre, die sich langsam auflöst. ´Storanden Nature Reserve´ arbeitet mit Kontrasten, helle Akkorde treffen auf ruhigere, dunklere Passagen.
´Strandvägen Pier´ ist lebendig, leicht überdreht, und bringt schnelle Wechsel und klare Spielfreude. Den Abschluss bildet ´Gripsholm Castle´, ein Stück von Ruhe und Eleganz, mit Melodien, die an klassische Formen erinnern.
Was dieses Album besonders macht, ist die Selbstverständlichkeit, mit der komponierte Passagen und freie Improvisation ineinander übergehen. Man hört selten, wo das eine endet und das andere beginnt. Auf diese Weise zeigt sich die Qualität dieses Trios. Yelena Eckemoff gibt Raum, ohne Kontrolle zu verlieren.
Am Ende steht ein Album, das leise wirkt und gerade dadurch lange beschäftigt. Keine Effekthascherei, sondern Musik, die sich mit jedem Durchgang weiter öffnet. Yelena Eckemoff zeigt einmal mehr, dass künstlerische Eigenständigkeit kein Konzept ist, sondern eine über Jahre gewachsene künstlerische Überzeugung.
(8,5 Punkte)
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https://yelenaeckemoff.bandcamp.com/album/rosendals-garden



