
Siebzehn Jahre Funkstille sind im Heavy Metal eine Ewigkeit. Als LION’S SHARE 2009 mit ´Dark Hours´ abtauchten, wirkte es eher wie ein leiser Abschied als wie eine Pause. Dass nun mit ´Inferno´ tatsächlich ein neues Studioalbum folgt, ist weniger ein Comeback im klassischen Sinn als eine Rückkehr mit Ansage – vorbereitet durch eine ganze Reihe von Singles seit 2019, die hier nun gebündelt ihre endgültige Form finden.
Im Zentrum steht weiterhin das eingespielte Duo aus Gitarrist und Produzent Lars Chriss und Sänger Nils Patrik Johansson. Johansson prägt das Album wie immer mit seiner hohen, rauen Stimme, die sich hörbar an Ronnie James Dio orientiert, während Chriss die Songs mit kompakten Riffs und klar geführten Leads versieht. Die Produktion bleibt bewusst klassisch.
´Pentagram´ eröffnet als direkter Heavy Metal-Kracher mit einem schnellen Einstieg. Johansson setzt den Ton, der natürlich auch an seine andere Band ASTRAL DOORS erinnert. Der Song wirkt wie ein klassischer Opener alter Schule. ´We Are What We Are´ entwickelt sich anschließend zur hymnischen Midtempo-Nummer, getragen von einem eingängigen Refrain, der klar auf Mitsing-Momente zielt. ´We Will Rock´ wirkt sogar wie eine direkte Verbeugung vor ´We Rock´ aus der Dio-Ära.
´The Lion’s Trial´ setzt auf schweres Midtempo und drückende Riffs. ´Baptized In Blood´ verbindet melodischen Heavy Metal mit Power Metal-Anklängen, wenngleich Johansson hier hörbar an seine Grenzen geht, wenn er versucht, seine großen Vorbilder zu erreichen. ´Live Forever´ ist ein schneller Rock-Song mit klarer Schlagseite in Richtung SAXON und ACCEPT. ´Chain Child´ legt noch einmal nach, schneller, direkter, mit klassischen Metal-Riffs, die stark an ältere U.D.O.-Nummern erinnern. Solide, aber ohne echten Überraschungsmoment.
´Another Desire´ bewegt sich wieder im Midtempo-Bereich, bleibt dabei im vertrauten Rahmen, mit klaren Power Metal-Anleihen. Schließlich bildet ´Run For Your Life´ den Abschluss. Hier zeigt die Band am deutlichsten, schleppend, klar im Fahrwasser von BLACK SABBATH, mit dezenten orchestralen Elementen und längeren Instrumentalpassagen, dass sie mehr kann als kompakte Drei-Minuten-Stücke, auch wenn der Weg dorthin vertraut bleibt.
Die besondere Eigenheit von ´Inferno´ liegt darin, dass ein Großteil des Materials bereits Jahre zuvor veröffentlicht wurde, darunter mehrere Singles aus den Jahren 2019 bis 2024 sowie Stücke der gleichnamigen EP von 2018. Das Album wirkt dadurch weniger wie ein geschlossen neu geschriebenes Werk als wie eine sorgfältig zusammengestellte Essenz einer längeren Phase.
´Inferno´ ist somit kein radikaler Neuanfang, sondern eine bewusste Rückkehr zu den Wurzeln des klassischen Heavy Metal, getragen von starken Vorbildern und handwerklicher Sicherheit. Gleichzeitig wirkt das Album wie eine physische Werkschau der produktiven Single-Phase der letzten Jahre, die hier erstmals gebündelt auf CD und Vinyl vorliegt. Die Nähe zu DIO, BLACK SABBATH und RAINBOW ist jederzeit hörbar, manchmal fast zu deutlich, doch die Songs funktionieren, weil sie ihre Stärken souverän ausspielen.
(7,5 Punkte)
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(VÖ: 27.03.2026)



