
MICHAEL JACKSON’S HEART, HEAD & TAILS – The Gal From Ochi
2026 (Independent) - Stil: Chicago Jazz
Auf seinem neuesten Werk ´The Gal From Ochi´ bündelt Michael Jackson seine vielen künstlerischen Wege und überführt sie in eine fokussierte musikalische Form. Der Saxophonist, der ebenso als Fotograf, Autor und bildender Künstler bekannt ist, nutzt die erzwungene Ruhe zu Beginn des Jahrzehnts, um ein über Jahre gewachsenes Projekt zu vollenden. Das Ergebnis wirkt lebendig und zugleich offen für Einflüsse, die weit über den klassischen Jazz hinausreichen.
Aufgenommen mit einem großen Ensemble aus der Chicago Szene, darunter Makaya McCraven, Corey Wilkes und Marvin Tate, entfaltet das Album seine klare Handschrift. Zwei Sextette bilden das Fundament, ergänzt durch Gäste, die punktgenau eingesetzt werden. Die Produktion von Freddie Breitberg hält alles transparent und warm, mit einem Sound, der die Musiker greifbar nah zusammenbringt.
Der Opener ´The Gal From Ochi´ startet mit einem federnden Bläsersatz und schwenkt schnell in ein karibisch gefärbtes Stück zwischen Calypso und Jazz. ´Scoobie Doobie´ ist ein verspielter Jazz-Funk mit schnellen Figuren und tightem Zusammenspiel, der sofort ins Ohr geht. ´One For Junior´ nimmt klar Bezug auf Junior Wells und bringt einen erdigen Chicago-Blues mit kräftiger Gitarre von Aaron Koppel.
´Pop Tart´ zeigt eine andere Seite, ein smoother, fast schwebender Jazz-Track, getragen von einem eleganten Piano von Andrew Zallar. Mit ´Blue Stew´ geht es tief in einen schweren Funk-Groove, über dem Marvin Tate seine freie Spoken-Word-Performance entfaltet. ´Sonny The Squirrel´ ist eine schnelle Hommage an Sonny Rollins, mit sprunghaften Saxophonlinien und einem Calypso-Unterbau.
´Mose Def´ bringt eine Mischung aus Soul-Jazz und lockerem Groove, während ´Bugsy (Goes To Brazil)´ in Richtung Bossa Nova geht, mit perkussiven Akzenten und feinen Gegenmelodien. ´Wolfgang´ bricht dieses Gleichgewicht bewusst auf, ein freier Funk-Track mit rauem Saxophonspiel und aggressivem Schlagzeug von Xavier Breaker.
Mit ´Stepping Stones´ folgt eine ruhige Ballade, getragen von der klaren Stimme von Alfie Jackson, die dem Song eine verletzliche Note verleiht. Den Abschluss bildet ´Scoot Ya Butt´, ein schneller, druckvoller Funk-Jazz-Track mit treibenden Bläsern und pointierten Trompeteneinsätzen von Corey Wilkes.
´The Gal From Ochi´ funktioniert in seiner Gänze, weil es seine stilistische Vielfalt gezielt bündelt. Funk, Blues, Bossa, Reggae und Spoken Word greifen ineinander und bleiben klar erkennbar. Michael Jackson führt das Ensemble mit sicherem Gespür für Dynamik und Timing, ohne sich in Effekten zu verlieren. Dieses Album zeigt einen Musiker, der über einen grenzenlosen Jazz seine Eigenständigkeit findet.
(8,5 Punkte)



