MeilensteineOnly Jazz Is RealPlattenkritikenPressfrisch

BLOSSOM DEARIE – Give Him The Ooh-La-La

1958/2026 (Verve Vault) - Stil: Vocal Jazz

Als Blossom Dearie 1958 ihr zweites Album für “Verve Records” veröffentlicht, hat sie ihren unverwechselbaren Ton längst gefunden. Diese helle, mädchenhafte Stimme, die zugleich Witz, Intelligenz und eine feine Ironie transportiert, trifft hier auf ein exzellentes Trio, das Swing mit lässiger Selbstverständlichkeit beherrscht. Produziert von Norman Granz, entsteht eine Aufnahme, die Intimität und Eleganz verbindet, ohne je geschniegelt zu wirken.

Blossom Dearie singt und begleitet sich selbst am Klavier. An ihrer Seite stehen Ray Brown am Kontrabass, Jo Jones am Schlagzeug und Herb Ellis an der Gitarre. Dieses Trio liefert federnden Swing, geschmeidige Akzente und ein subtiles rhythmisches Fundament, das Blossom Dearies phrasierten Gesang beflügelt.

Der Auftakt mit ´Just One Of Those Things´ von Cole Porter überrascht mit flottem Tempo und augenzwinkernder Leichtigkeit. Blossom Dearie phrasiert flink, setzt kleine Betonungen, spielt mit dem Text und lässt das Klavier hell perlen. ´Like Someone In Love´ von Johnny Burke und Jimmy Van Heusen entfaltet sich als zarte Ballade. Die Melodie wird zart geführt, das Klavier setzt klare Akkorde, Ray Brown streicht mit warmem Ton durch die Harmonien.

In ´Between The Devil And The Deep Blue Sea´ von Harold Arlen und Ted Koehler blitzt humorvolle Raffinesse auf. Der Song swingt leichtfüßig, Jo Jones setzt lockere Besenfiguren, während Herb Ellis elegante Gitarrenläufe einstreut. ´They Say It’s Spring´ bringt literarischen Charme ins Spiel. Blossom Dearie singt die Verse mit klarer Artikulation, als erzähle sie eine kleine Szene aus dem Alltag.

Mit ´Try Your Wings´ und ´Bang Goes The Drum (And You’re In Love)´ zeigt sich auch ihr eigenes kompositorisches Talent. Beide Stücke tragen eine verspielte, pointierte Handschrift. ´The Riviera´ von Cy Coleman zeichnet ein schillerndes Bild mondäner Leichtigkeit, ehe ´The Middle Of Love´ als luftig-leichtes, charmantes Stück glänzt und Blossom Dearies verspielte Phrasierungen noch einmal subtil zur Geltung bringt.

Ein besonderer Akzent liegt auf ´Plus Je T’embrasse´, einem französischen Chanson mit vertrauter Melodie in neuem Gewand. Hier schimmert Blossom Dearies Pariser Zeit durch. Sie singt das Stück mit geschmeidiger Aussprache und sanftem Schwung. Das Titelstück ´Give Him The Ooh-La-La´ greift Cole Porters doppeldeutigen Witz auf und serviert ihn mit Charme und einem Hauch koketter Distanz. Hier blitzt jene Ironie auf, die schon in der Uraufführung des Songs in „DuBarry Was a Lady“ angelegt war.

Auch ´Let Me Love You´ von Bart Howard überzeugt als intime Ballade mit ruhigem, konzentriertem Vortrag, während ´I Walk A Little Faster´ – ebenfalls aus der Feder von Cy Coleman mit Text von Carolyn Leigh – als bittersüße Hymne auf Durchhaltewillen und Optimismus wirkt. Blossom Dearie gestaltet die Zeilen mit feiner Melancholie, hebt einzelne Worte an, lässt andere fast beiläufig vorbeiziehen.

Die Arrangements stammen durchweg von Blossom Dearie selbst. Ihr Klavierspiel bleibt transparent, klar strukturiert und rhythmisch präzise. Ray Brown sorgt für tragfähige Bassfiguren, Jo Jones hält das Schlagzeug elastisch und federnd, Herb Ellis ergänzt mit geschmackvollen Akkorden und kurzen Soli. Das Zusammenspiel wirkt organisch, souverän und von großer Musikalität getragen.

Die aktuelle Wiederveröffentlichung in der “Verve Vault Series” wurde von Ryan K. Smith bei Sterling Sound von den analogen Originalbändern gemastert und bei Optimal auf 180g-Vinyl gepresst. Die Pressung überzeugt durch saubere Oberfläche und ausgewogene Klangbalance; Stimme und Klavier stehen klar im Vordergrund, Bass und Schlagzeug besitzen angenehme Tiefe.

´Give Him The Ooh-La-La´ bleibt damit ein stilbildendes Werk des späten Fünfzigerjahre Vocal Jazz. Blossom Dearie verbindet Charme, Witz und musikalische Präzision zu einem Album, das bis heute frisch wirkt. Wer diese Stimme einmal gehört hat, erkennt sie sofort wieder – hell, klug und voller feiner Zwischentöne.

´Give Him The Ooh-La-La´ ist ein kultiges, sehr feines Werk innerhalb ihres Œuvres.

https://www.facebook.com/blossomdearie

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"