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ALEX G – Headlights

2025 (RCA) - Stil: Alternative Singer-Songwriter

ALEX G erreicht mit ´Headlights´ einen Punkt, an dem alles zusammenläuft. Das zehnte Album, zugleich der Einstand bei “RCA Records”, klingt größer und klarer, ohne den eigentümlichen Kern zu verlieren, der Alex Giannascoli seit Jahren auszeichnet. Americana, Indie Folk und Soft Rock verbinden sich zu Songs, die zugänglich wirken, dennoch versteckte Kanten besitzen. Die Produktion von Alex Giannascoli gemeinsam mit Jacob Portrait verleiht der Musik Gewicht, ohne ihr die Eigenwilligkeit zu nehmen.

Der Einstieg mit ´June Guitar´ und ´Real Thing´ zeigt einen Songwriter, der sich traut, seine Stimme ins Zentrum zu stellen. Akustische Gitarren, dezente Orgeln und Streicher tragen Melodien, die schlicht lange haften bleiben. ´Afterlife´ erhöht das Tempo und verbindet Folk Rock mit hymnischem Vorwärtsdrang, während ´Beam Me Up´ erstmals offen über Geld, Zweifel und Selbstbild spricht und dabei einen klassischen Rock-Song entfaltet, der zugleich persönlich und distanziert bleibt. ´Spinning´ und ´Oranges´ schlagen leisere Töne an, balladesk und warm, mit Streichern, die Erinnerungen an Elliott Smith und Neil Young wecken, ohne je zur Kopie zu werden.

In der zweiten Hälfte wird ´Headlights´ verspielter. ´Louisiana´ trägt eine dunkle, schleppende Stimmung, ´Bounce Boy´ bricht mit Auto-Tune, Beats und kindlicher Hook aus dem Albumfluss aus, fast wie ein schiefer Pop-Flash. ´Far And Wide´ wirkt bewusst überzeichnet, mit wackeliger Stimme und märchenhafter Szenerie, bevor der Titelsong ´Headlights´ das Album wieder erdet. Hier treffen melancholischer Soft Rock und klare Bilder aufeinander, Straßen, Geld und Sehnsucht bündeln sich zu einem der stärksten Momente der Platte. ´Is It Still You In There?´ überrascht mit Chor und jazziger Note, ehe ´Logan Hotel (Live)´ das Album roh beschließt, aufgenommen mit seinen langjährigen Mitstreitern um Sam Acchione, John Heywood und Tom Kelly.

´Headlights´ ist Alex Gs bislang reifstes Album. Die Songs sind direkter, die Arrangements größer, die Themen persönlicher, ohne ihre Mehrdeutigkeit aufzugeben. Zwischen Americana, Indie Rock und Singer-Songwriter-Tradition ergibt sich ein Werk, das den Schritt ins Rampenlicht nicht als Bruch mit der Vergangenheit versteht, sondern als konsequente Weiterentwicklung.

(8,5 Punkte)

https://www.facebook.com/sandyalexg

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