
FAT WHITE FAMILY – Konk If You’re Lonely: Fat White Family Live at Konk Studios
2025 (Domino) – Stil: Post-Punk/Experimental Rock/Garage Rock
Die FAT WHITE FAMILY haben in ihrer wechselhaften Geschichte stets mit einer rotierenden Besetzung aus exzentrischen Persönlichkeiten gearbeitet, doch auf ´Konk If You’re Lonely…´ wirkt die Band erstaunlich fokussiert.
Die 13 Songs, die sich über ihre gesamte Karriere erstrecken, dokumentieren eine Formation, die sich auf dem Höhepunkt ihres Könnens bewegt: selbstbewusst, kontrolliert ausufernd und doch klarer als je zuvor.

Sänger Lias Saoudi agiert auf ´Konk If You’re Lonely…´ in einer neuen Balance zwischen roher Energie und konzentrierter Präzision. Er wirkt lebhafter als auf den Studioalben, während die Performances eine kontrollierte Intensität besitzen, die den Songs Raum zum Atmen lässt.
Das Crooning und die subtilen Nuancen in seiner Stimme verleihen älteren Stücken wie ´Bobby’s Boyfriend´ oder Satisfied´ neue Tiefe, ohne die provokative Kraft der Band zu schmälern. Gleichzeitig setzt das neue ´Parisian Heatwave´ frische Akzente, die nahtlos in die exzentrische, eigenwillige Songwriting-Tradition der FAT WHITE FAMILY passen.
Musikalisch demonstrieren die Londoner hier ungewohnte Präzision. ´Feet´ besticht als mutierter Dance Punk-Groover und ´Satisfied´ erhält metallische Industrial-Gitarren. Andere Klassiker wie ´Whitest Boy On The Beach´ oder ´Tinfoil Deathstar´ wirken dagegen durch die klaren Arrangements etwas gezähmt, ohne die frühere manische Energie der Liveshows zu erreichen.
Dennoch sind die Höhepunkte zahlreich: das anarchische Crescendo von ´Hits Hits Hits´, die dissonante Wucht von ´I Am Mark E Smith´, das nervöse Gequieke von ´Polygamy Is Only For The Chief´ – allesamt Zeugnisse einer Band, die ihren rebellischen Kern bewahrt, auch wenn die Ausdrucksformen gereifter wirken.
´Konk If You’re Lonely…´ ist kein klassisches Livealbum, sondern ein sorgfältig aufgenommenes Live-Set, das die FAT WHITE FAMILY sowohl als exzentrische Rockmaschine als auch als reflektierte Studio-Band zeigt.
Es ist eine interessante Momentaufnahme: eine Band, die sich weiterentwickelt hat, ohne ihre rohen Impulse zu verlieren – ein Album, das den Mythos nicht neu erfindet, aber seinen Kern mit überraschender Klarheit einfängt.
(8 Punkte)
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Pic: Louise Mason



