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EXXÛL – Sealed Into None

2026 (Productions TSO) - Stil: Epic Doom

Zu Beginn des Jahres 2026 erscheint mit ´Sealed Into None´ urplötzlich das erste vollwertige Album der kanadischen Band EXXÛL, und schon nach wenigen Minuten ist klar, dass hier nichts Halbgares vorliegt. Dieses Debüt wirkt wie ein lange vorbereiteter Schlag, mit voller Absicht geführt, getragen von jahrelanger Arbeit und einer sehr klaren Vorstellung davon, was epischer Metal im Jahr 2026 bedeuten kann.

Gegründet wurden EXXÛL 2020 zunächst unter dem Namen CRESTFALLEN. Die Musik existierte früh, doch es dauerte Jahre, bis mit Thomas Karam von der Gruppe NOOR die Stimme gefunden war, die dieser Vision gerecht werden konnte. Diese lange Suche ist keine Unwichtigkeit, sondern ein Schlüssel zum Verständnis des Albums. ´Sealed Into None´ klingt nicht wie ein Debüt, sondern wie ein Werk, das schlichtweg reifen musste. Geschrieben zwischen 2020 und 2022, aufgenommen über mehrere Jahre in den “Stygian Studios” in Longueuil und den “Port Royal Studios” in Montréal, bündelt das Album die kreative Handschrift von Philippe Tougas, hier unter dem Namen Defender auftretend, der auch aus Bands wie ATRAMENTUS, CHTHE’ILIST und ZEICRYDEUS bekannt ist. Seine Handschrift ist unverkennbar, doch EXXÛL sind kein Nebenprojekt, sondern ein geschlossen auftretendes, brandgefährliches Kollektiv.

Musikalisch bewegt sich ´Sealed Into None´ im Spannungsfeld von Epic Doom Metal, US Power Metal und dunklen, beinahe unheilvollen Einflüssen aus dem Black Metal. Die langsamen, schweren Passagen tragen echtes Gewicht, die schnelleren Momente wirken heroisch und antreibend, während die dunkle Färbung dem Album durchgehend eine bedrohliche Grundstimmung verleiht. Das Ergebnis ist kein nostalgisches Zitieren, sondern ein eigenständiger Stil, der alte Ideale ernst nimmt und sie mit heutiger Konsequenz umsetzt.

Der Einstieg erfolgt mit ´Bells Of The Exxûl´, einem atmosphärischen Vorspiel aus Windgeräuschen, schwebenden Flächen und schließlich einsetzenden Glocken. Es ist kein bloßes Intro, sondern ein bewusst gesetzter Auftakt, der Spannung aufbaut und den Hörer vorbereitet. Die Stimmung ist ruhig, fast trügerisch, doch bereits hier liegt etwas Unheilvolles in der Luft, das den Weg für das Kommende freimacht: “Arise, Warriors of Doom! Arise, Exxûl!”

Nahtlos geht das Album in ´Blighted Deity´ über, einen über zehn Minuten langen Koloss, der die ästhetische Bandbreite von EXXÛL offenlegt. Der Song beginnt schwer und getragen, mit einem solistischen Spiel von Philippe Tougas und wuchtigem Schlagzeugspiel von Vincent Pilon, bevor sich Thomas Karam mit einer Stimme erhebt, die gleichermaßen Kraft und Pathos besitzt. Die Gitarrenarbeit von Philippe Tougas ist virtuos, ohne in Selbstzweck zu verfallen, die Soli schneiden neo-klasssich scharf und treiben den Song immer wieder nach vorn.

´Walls Of Endless Darkness´ schlägt eine noch finsterere Richtung ein. Der Song beginnt kalt und abweisend, getragen von einem bedrohlichen Zusammenspiel aus Bass und Schlagzeug, während die Synthesizer von François Bilodeau eine düstere Kulisse aufziehen. Sobald das Stück mit edlen hohen Schreien Fahrt aufnimmt, entfaltet es eine marschierende Wucht, die sich unaufhaltsam vorwärts schiebt. Die Gesangslinien behalten ihre epische Größe, obwohl der Song im letzten Teil zu einer eilenden Schlusssequenz aufbricht.

Mit ´Labyrinthine Fate´ erreicht das Album einen weiteren Höhepunkt. Der Song wirkt direkter, ohne an Schwere einzubüßen. Der Bass von Antoine Daigneault tritt stärker in den Vordergrund, gibt dem Stück eine rollende Kraft, während die Gitarren zwischen wuchtigen Akkorden und melodischen Figuren wechseln. Thomas Karam variiert seine Stimme geschickt zwischen getragenem Vortrag und eindringlichen Höhen, wodurch der Song eine theatralische Wirkung entfaltet.

Den Abschluss bildet ´The Screaming Tower´, ein über vierzehn Minuten langes Finale, das alle Elemente des Albums noch einmal bündelt. Der Beginn ist schwer und düster, beinahe bedrückend, getragen von tiefen Gitarren und einem stetigen Schlagzeug. Der Gesang läuft umgehend zur Hochform auf. Das Stück öffnet sich immer weiter, baut Spannung auf, steigert sich mehrfach und wechselt zwischen langsamen, erdrückenden Passagen und schnelleren, fast triumphalen Momenten. Besonders im Mittel- und Endteil entfaltet sich eine lange Abfolge von Gitarrensoli, die nicht nur technisches Können zeigen, sondern den dramatischen Kern des Songs verstärken.

Produziert wurde ´Sealed Into None´ von Philippe Tougas selbst, gemischt und gemastert von Andrew Lee. Der Sound ist kraftvoll, klar und druckvoll, ohne glattgebügelt zu wirken. Jedes Instrument ist präsent, die Balance zwischen Härte und Epik stimmt, und die dunkle Grundstimmung bleibt über die gesamte Laufzeit erhalten. Hier wird nichts beschönigt, aber auch nichts künstlich überzeichnet.

´Sealed Into None´ ist ein Debüt von beeindruckender Reife. EXXÛL präsentieren sich als Band mit klarer Identität, hohem handwerklichem Niveau und einer tiefen Verwurzelung im epischen Metal, die dennoch nie rückwärtsgewandt wirkt. Dieses Album ist großes Kino, voller Pathos, Wucht und Leidenschaft, allein die Jahrhundertmelodien sind ihm noch nicht zu eigen. ´Sealed Into None´ ist dennoch eines der interessantesten Epic-Doom-Debüts der letzten Jahre, kompromisslos und von beeindruckender Geschlossenheit.

(8,5 Punkte)

PS: Wer Alben von SOLITUDE AETURNUS und VENI DOMINE oder HEXENHAUS und TAD MOROSE im Schrank stehen hat, darf EXXÛL nicht verpassen – wuchtiger, epischer Doom, der genau da zuschlägt, wo Legenden ihren Platz finden. Womöglich sind EXXÛL auch einfach nur die Brüder im Geiste von WITHERFALL, jedoch episch-doomig.

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https://productionstso.bandcamp.com/album/sealed-into-none

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