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PATRICIA BARBER – Modern Cool

1998/2025 (Impex Records) - Stil: Jazz

Patricia Barber ist eine Musikerin, die schon mit dem ersten Ton ihrer Stimme oder ihres Klaviers aufhorchen lässt. Sie wurde am 8. November 1955 in South Sioux City, Nebraska, geboren und wuchs in einem Haus voller Musik auf. Ihr Vater Floyd „Shim“ Barber spielte Saxophon im Jazz und trat unter anderem mit Bud Freeman und Glenn Miller auf, ihre Mutter sang Blues. Schon als Kind lernte Patricia Barber Saxophon und Klavier, sang in Schulmusicals und vertiefte später an der “University of Iowa” ihre Kenntnisse in klassischer Musik und Psychologie. Nach dem Studium zog sie nach Chicago, wo sie zunächst in Bars und kleinen Clubs spielte und langsam ihre eigene künstlerische Stimme entwickelte. Mit ´Cafe Blue´ erzielte sie im Jahr 1994 erstmals größere Erfolge, und mit ´Modern Cool´ aus dem Jahr 1998 setzte sie ihren ganz persönlichen, unverwechselbaren Meilenstein.

´Modern Cool´ verschiebt mühelos die Grenzen zwischen Jazz, Blues und modernen Einflüssen, getragen von Patricia Barbers tiefer, klarer Stimme und ihrem eleganten, präzisen Klavierspiel. Neben ihr bilden Michael Arnopol am Bass, John McLean an der Gitarre, Mark Walker am Schlagzeug und an den Percussions sowie Dave Douglas an der Trompete ein Ensemble, das lebendig und zugleich luftig klingt. Die Aufnahmen entstanden 1998 im “Studio 5” der “Chicago Recording Company”. Patricia Barber übernahm die Produktion selbst, unterstützt von Michael Friedman als Executive Producer, während Jim Anderson für Aufnahme und Mischung zuständig war.

Bereits der Eröffnungstitel ´Touch Of Trash´ strahlt in all seiner gedämpften Eleganz. Das Stück kombiniert ein federndes Klaviermotiv mit subtilen, oft ironischen Gesangslinien, die zwischen Melancholie und spitzfindiger Gesellschaftsbeobachtung changieren. Die Musik wirkt zugleich aufreizend und anmutig, und jeder solistische Einsatz, sei es von der hypnotisch kühlen Gitarre oder der feurigen Trompete, bestärkt die dunkle, atmosphärische Stimmung.

´Winter´ entfaltet sich als stille Ballade. Patricia Barbers Stimme legt sich wie ein Schleier über das Klavier, während feine harmonische Wendungen die Kälte und Klarheit der Jahreszeit spiegeln. Die Musik zieht den Hörer in eine nachdenkliche, fast kontemplative Stimmung, die trotz Zurückhaltung intensiv wirkt. Sogar die Gitarre beginnt zum stetigen Takt sanft zu singen.

Dann nimmt Patricia Barber mit ´You & The Night & The Music´ einen klassischen Jazzstandard von Dietz & Schwartz und verwandelt ihn durch subtilen Gesang und komplexe Improvisationen. John McLean setzt mit seiner Gitarre filigrane Akzente und auf einen kühlen Atem, während Michael Arnopol am Bass das Stück trägt und Mark Walker mit präzisen Schlagzeugakzenten eine eigene Farbe hinzufügt. Das Stück wirkt aus diesem Grund vollkommen eigenständig.

´Constantinople´ öffnet ein exotisches Panorama. Das Zusammenspiel von Dave Douglas an der emotional aufwühlenden Trompete, Jeff Stitely auf der Udu und Patricia Barbers Klavier lässt an ferne Städte, orientalische Märkte und geheimnisvolle Nächte denken. Die Musik erzählt eine Geschichte, ohne Worte, aber mit wortlosen Gesängen, getragen von präzise gesetzten Akzenten und feinsinnigen Melodielinien.

Ihre Version von ´Light My Fire´ reduziert den Rockklassiker auf das Wesentliche und gibt ihm eine intime, jazzige Dimension. Jeder Ton ist mit Bedacht gesetzt, Patricia Barbers Stimme durchdringt das Arrangement, ohne die Kontrolle zu verlieren, während die Instrumente, so wie die wehenden Gitarrentöne und die niedergeschlagenen Trompetentöne, sparsamer agieren und dennoch tief wirken.

´Silent Partner´ besticht durch seine zurückhaltende, aber intensive Gestaltung. Das Schlagzeug von Mark Walker bietet punktuelle Impulse, die Gitarre von John McLean und der Bass von Michael Arnopol ergänzen diese subtilen Akzente, während Patricia Barbers Stimme von Einsamkeit und Partnerschaften erzählt.

In ´Company´ entfaltet sich mitsamt dem voranschreitenden Schlagzeug ein tiefgreifender Groove. Daneben stehen Stimme und Klavier besonders im Vordergrund. Jede Melodie entwickelt sich organisch, unterstützt von weiterer sensibler Begleitung, die nie aufdringlich wirkt.

´Let It Rain´ beginnt nur mit Stimme und Klavier. Patricia Barbers Gesang balanciert dabei zwischen Ruhe und Ausdruckskraft, während die restlichen Musiker das Stück ebenfalls mit zurückhaltenden, doch präzisen Akzenten langsam unterfüttern, und die Gitarre in einem bluesigen Solo zerfließt.

Mit ´She’s A Lady´ überführt Patricia Barber den Paul Anka-Klassiker fingerschnippend in eine subtile Jazzinterpretation, reduziert und fokussiert, während ´Love, Put On Your Faces´ ein Gedicht von E. E. Cummings in Musik übersetzt. Die Komposition verbindet Stimme und Klavier auf poetische Weise. Die Emotionen der Texte werden unmittelbar spürbar, besonders himmelig wenn im zweiten Abschnitt der “Choral Thunder Vocal Choir” zum Klavier aufsingt.

´Postmodern Blues´ erinnert an alte Rituale, die Patricia Barber durch eigenständige Harmonien, Rhythmusvarianten und Texturen verinnerlicht. Das Stück ist eine Reflexion der Tradition, mit Bass und Percussions, sowie gleichzeitig ein modernes Statement, mit der Gitarre von John McLean, – und es unterstreicht nochmals Patricia Barbers kreative Haltung.

Die Neuauflage von ´Modern Cool´ aus dem Jahr 2025 bringt das Album erstmals außerhalb der »OneStep«-Serie auf hochwertigem VR900-D2-Vinyl. Die Pressung auf 180g, das sorgfältig gestaltete Gatefold und das umfangreiche Booklet mit Songtexten und Fotos von Valerie Booth machen die LP zu einem audiophilen Ereignis. Bernie Grundmans Mastering, basierend auf dem Originaldigitalmaster von David Glasser, hebt jede Nuance hervor. Das Vinyl erweckt die Musik zum Leben, lässt jede Feinheit der Instrumentierung nachvollziehbar werden und macht das Album zu einem haptischen und akustischen Erlebnis zugleich.

´Modern Cool´ ist ein Meilenstein in Patricia Barbers Diskografie. Die Kompositionen, Arrangements und die exzellente Umsetzung der Musiker Michael Arnopol, Mark Walker, John McLean, Dave Douglas und Jeff Stitely verbinden sich zu einem Werk, das sowohl die Jazztradition ehrt als auch neue Wege erkundet. John McLeans Gitarrenspiel, seine fast mathematischen Riffs und seine kühle Herangehensweise erzeugen einen offenen, räumlichen Klang, der in seiner ästhetischen Klarheit vereinzelt an die KING CRIMSON der frühen Achtzigerjahre erinnert. Patricia Barbers Gesang, ihr Klavierspiel und ihre poetische Lyrik schaffen ein intensives, intelligentes Hörerlebnis, das sowohl Einsteiger als auch langjährige Jazzliebhaber in seinen Bann zieht.

Die 2025er Vinylneuauflage bietet die perfekte Gelegenheit, dieses Meisterwerk in seiner vollen klanglichen und visuellen Pracht zu erleben, ein Album, das ästhetisch und musikalisch gleichermaßen inspiriert und beständig fasziniert.

Ein audiophiles Meisterwerk.

https://www.facebook.com/PatriciaBarberMusic

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