
THELONIOUS MONK – Bremen 1965
2025 (Sunnyside) - Stil: Jazz
´Bremen 1965´ fängt Thelonious Monk in einem seiner intensivsten, experimentierfreudigsten Momente ein. Am 8. März 1965 betritt er mit Charlie Rouse am Tenorsaxophon, Larry Gales am Bass und Ben Riley am Schlagzeug den Sendesaal von Radio Bremen. Das Quartett ist frisch formiert, Gales und Riley hatten gerade erst die Rhythmusgruppe übernommen, und dennoch entfaltet sich von der ersten Note an eine unerschütterliche Vertrautheit.
Die Aufnahme, sorgfältig von den Originalbändern remastert, übertrifft klanglich viele Mitschnitte aus dieser Zeit und bewahrt gleichzeitig die Lebendigkeit des Abends. ´Criss Cross´ eröffnet das Konzert mit scharf geschnittenen Harmonien, in denen Thelonious Monk seine eigenwillige Klaviersprache entfaltet, während Charlie Rouse mit einem warmen, wendigen Spiel antwortet. Es entsteht ein Dialog über elf Minuten voller Witz und Energie, der gleichzeitig vollkommen natürlich wirkt. Bei ´Sweet And Lovely´ nimmt Thelonious Monk sich zehn Minuten Zeit, die vertraute Melodie zu dehnen, zu beugen und neu zu gestalten, während Charlie Rouse immer wieder jeden Ton der Melodie mit sanfter Präzision ergänzt, sodass die Eleganz des Standards von Charles N. Daniels/Gus Arnheim zu einem eigenständigen Erlebnis wird.
Mit ´Well You Needn’t´ steigt die Spannung spürbar. Das Stück treibt vierzehn Minuten lang voran, verschachtelt rhythmische Akzente, während Thelonious Monk überraschende Wendungen in die Harmonien einfügt. Larry Gales legt das Fundament ruhig und stabil, Ben Riley setzt feine Nuancen und eine Schlagzeugvorführung, indes Charlie Rouse geschmeidig, kraftvoll und immer wieder neckisch auf die Bewegungen der Töne reagiert. In ´Don’t Blame Me´ übernimmt Thelonious Monk das Solo und verwandelt das bekannte Standard-Material von Jimmy McHugh in eine konzentrierte Lockerungsübung voller Details, in der auch die Stille gleichwertig neben den Tönen wirkt.
´Epistrophy´ entwickelt sich über acht Minuten zu einem gemeinschaftlichen Spiel. Das Quartett reagiert auf jede Änderung, entwickelt ein rhythmisches Miteinander, das lebendig und überraschend bleibt. Thelonious Monk und Charlie Rouse wechseln zwischen vertrauten Phrasen und eigenwilligen Bruchstücken, als würden sie Strukturen spielerisch auf den Prüfstand stellen. ´Just You, Just Me´ strahlt Lebensfreude aus, verspielt, voller leichter Ironie. Thelonious Monk verschiebt die Melodieführung, lässt das Tempo schwanken, und Charlie Rouse antwortet mit frechem Swing, der das Stück dreizehn Minuten lang genauso frisch und lebendig hält wie die solistischen Darbietungen von Larry Gales und Ben Riley.
Im weiteren Verlauf offenbart ´I’m Getting Sentimental Over You´, wie das Quartett selbst bekannte Standards in emotionale Höhepunkte verwandelt. Thelonious Monk malt mit sparsamen, konzentrierten Gesten eine Stimmung, die innerhalb von vierzehn Minuten weit über das Erwartbare hinausführt, samt weiterer Vorführungen von Larry Gales an Bass und Ben Riley an Schlagzeug. Mit ´Rhythm-a-Ning´ erreicht die Performance eine dynamische Höhe. Jeder Moment eröffnet neue und unwiderstehliche Perspektiven. Dabei wirkt das Zusammenspiel über zehn Minuten gänzlich mühelos.
´Bremen 1965´ überzeugt durch seine herausragende Klangqualität und musikalische Intensität. Die Aufnahme vermittelt die spontane Freiheit eines Quartetts in einer Phase voller Entdeckungen. Thelonious Monk, Charlie Rouse, Larry Gales und Ben Riley erzeugen ein Live-Erlebnis, das zugleich kraftvoll, überraschend und verspielt ist. Die Performance hält fest, was an jenem Abend in Bremen geschah und entfaltet eine Wirkung, die weit über das reine Konzerterlebnis hinausreicht.
Dieses Album gehört in jede ernstzunehmende Jazz-Sammlung. Es zeigt Thelonious Monk und sein Quartett auf dem Höhepunkt ihres Schaffens, in einem Moment, der sich tief einprägt und lange nachklingt. ´Bremen 1965´ ist ein lebendiges Zeugnis künstlerischer Virtuosität, das die Eigenart, den Witz und die unvergleichliche Präsenz von Thelonious Monk auf eindrucksvolle Weise hörbar werden lässt.
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