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FAZ WALTZ – Strikes Ten

2025 (Head Perfume Rec.) - Stil: Rock

Man hört ´Strikes Ten´ und steht nicht im Wohnzimmer. Man steht im Halbdunkel eines Nachtclubs, das Licht ist warm, der Boden klebt ein wenig, irgendwo lacht jemand zu laut, und das Piano setzt ein, als hätte es den Raum schon lange gekannt. FAZ WALTZ brauchen keine Anlaufzeit. Dieses Album beginnt mitten im Geschehen, so, als wäre man einen Moment zu spät gekommen und müsste jetzt einfach auf der Tanzfläche mitgehen.

Das zehnte Album der Band aus Cantù fühlt sich nicht wie ein Jubiläum an, eher wie ein natürlicher nächster Schritt. Elf Songs, knapp fünfundzwanzig Minuten, kein überflüssiger Umweg. Produziert von Brown Barcella gemeinsam mit Faz La Rocca, aufgenommen in Mailand bei “Retro Recording Services” und im “Melody Bunker Studio”, klingt die Platte direkt, greifbar und präsent. Alles sitzt nah beieinander, nichts wird geglättet, nichts aufpoliert.

´Your Lovin’ Really Got Me Wild´ eröffnet mit scharf geschnittenem Piano und einer Gitarre, die nicht zögert. Der Song schiebt sofort an, der Rhythmus zwingt zum Mitgehen, der Gesang klingt fordernd, beinahe herausfordernd. Man spürt, wie sich der Raum füllt, wie immer mehr Körper auf die Musik reagieren. ´I’m Done´ bleibt kompakt und klar, weniger euphorisch, mehr angespannt.

Mit ´Full Moon Serenade´ ändert sich das Licht, im Song und auf der Tanzfläche. Das Tempo wird zurückgenommen, das Piano erzählt leiser, der Gesang rückt näher. Der Song wirkt wie ein kurzer Moment draußen, eine Zigarette vor der Tür, ein Blick in den Himmel zwischen zwei Runden an der Bar. ´Count To Three´ holt einen sofort zurück hinein, treibend, ungeduldig, während ´Bad Boy In Heaven´ mit rauem Humor spielt, kantig, selbstbewusst, ohne auf Wirkung zu schielen.

´Lonesome Me´ beschließt die erste Hälfte mit einer stilleren Note, doch die zweite beginnt mit ´Little Angel Girl´, leichtfüßig und melodisch, getragen von einem Groove, der sich selbstverständlich anfühlt. ´I Ain’t Right´ kommt ohne Netz und doppelten Boden, roh gesungen, ohne Schutzschicht.

Besonders interessant ist die Albumversion von ´If You Don’t Care About Me´. Der Song war bereits als langsame Ballade bekannt, erscheint hier jedoch als Boogie, der mehr Körper hat, ohne die emotionale Tiefe zu verlieren. ´Hot Headed Lovin’ Man´ zieht das Tempo noch einmal an, unruhig, drängend, bevor ´Little One´ das Album schließt. Ein leiser Abschied, wie der letzte Drink, wenn der Club langsam leer wird und man sich auf den Weg macht, Richtung Bushaltestelle, mit einem leichten Summen im Kopf.

FAZ WALTZ bestehen aus Faz La Rocca an Gesang, Piano und Gitarre, Diego Angelini am Bass und Marco Galimberti am Schlagzeug. Ergänzt wird das Trio durch Saxophone von Massimiliano Milesi sowie zusätzliche Rhythmusarbeit von Brown Barcella. Diese Beiträge fügen sich organisch ein und verstärken den Charakter der Songs, ohne das Gleichgewicht zu verschieben.

Im Vergleich zum Vorgänger ´Endless Beat´ wirkt ´Strikes Ten´ sicherer und vielschichtiger. Die schnellen Stücke sind schärfer, die ruhigeren Songs tragen mehr Gewicht. Die Einflüsse der frühen Rock’n’Roll-Jahre sind hörbar, von Jerry Lee Lewis über Elvis Presley bis Roy Orbison, doch sie erscheinen nicht als Zitat oder Verbeugung. Die Musik klingt eigenständig, modern, kraftvoll, ohne den Geist der Ursprünge zu verlieren.

´Strikes Ten´ ist ein Album, das man einfach erlebt. Es begleitet durch Bewegung, Gespräche, Lachen, kurze Stille. Eine Platte, die sich mit jedem Durchlauf weiter öffnet und genau dort bleibt, wo sie hingehört: mitten im Leben, mitten in der Nacht.

(8 Punkte)

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