
Als ´Wheels Turn Beneath My Feet´ im Jahre 2012 erschien, entwickelte sich dieses Livealbum rasch zu einem echten Referenzwerk. Nicht allein aufgrund der Songauswahl, sondern ebenso wegen seiner außergewöhnlichen klanglichen Qualität. Über all die Jahre wurde die Platte zum begehrten und mittlerweile selten zu Gesicht bekommenden Sammlerobjekt. Mit ´Wheels Turn Beneath My Feet II´ setzt Fin Greenall diese Idee eines Livealbums fort und spannt einen größeren Bogen, der weit über die nur zwei Monate umfassenden Live-Aufnahmen des ersten Teils hinausgeht.

Denn die neue Live-Sammlung vereint Aufnahmen aus seinen europäischen Konzerten zwischen den Jahren 2014 und 2019. ´Pilgrim´ eröffnet mit sanften, anschwellenden Gitarren, die nach und nach Rhythmus und Dramatik aufnehmen. Währenddessen geht Fin Greenalls Stimme über die Distanz von acht Minuten jede Wendung und Steigerung mit. ´Resurgam´ steigert sich fast zehn Minuten lang über ausgedehnte Passagen, die ein schwerer Bass und ein greifbares Schlagzeug tragen, bevor sich Gitarre und Gesang in leidenschaftlicher Intensität vereinen. ´Looking Too Closely´ baut seine Spannung durch wiederkehrende Motive auf, die von behutsam gesetzten Harmonien getragen werden. ´Shakespeare´ wirkt erzählerisch, die Stimme von Fin Greenall trägt den lyrischen Fluss, während die Band in ihrer charakteristischen Verlangsamung stimmungsvolle Akzente setzt. ´Truth Begins´ entfaltet sich in mehreren Schichten aus Bass, Gitarre und dezentem Schlagzeug, die den Song fortwährend in seinem Höhepunkt begleiten.
´We Watch The Stars´ zeigt FINK acht Minuten lang auf introspektive Weise, mit ausladenden Gitarrenakkorden, die eine behutsame Ruhe erzeugen, und einem Gesang, der sich in den Moment einfügt. ´Hard Believer´ erfreut den Hörer von Beginn an mit gezupften Gitarrensaiten und einem treibenden Rhythmus, während die Stimme von Fin Greenall die Melodie nachhallen lässt. ´Bloom Innocent´ entwickelt sich zu einer offenen, weitgespannten Komposition, bei der jede Phrase von Gitarre und Bass sorgfältig ausbalanciert wird, während das Schlagzeug mit klar gesetzten Akzenten führt. ´Not Everything Was Better In The Past´ wirkt wie ein nachdenkliches Porträt, getragen von reduzierten und lauten Akkorden, die jedem Wort Raum geben. ´This Isn’t A Mistake´ wirkt zunächst nachdenklich und mystisch, bevor Percussions den Song in leichte Aufruhr versetzen, während der Gesang ruhig und bestimmt bleibt. ´Fall Into The Light´ schließt das Album mit einer sich aufbauenden Songgestaltung, in der Gitarre, Gesang und dezente Elektronik zu einem befreienden, melodischen Abgang zusammenfinden.

Die Livefassungen vertrauen auf das Zusammenspiel der Band, das über Jahre gewachsen ist. Tim Thornton (Schlagzeug, Percussion) gibt den Songs sichere Impulse, während Guy Whittaker (Bass, Moog) und Nick Du Rand (Keyboards, Streicher, Gitarre) die Arrangements behutsam erweitern, ohne sie zu überfrachten. Alles wirkt klar, ausgewogen und natürlich.
Die Produktion liegt erneut in den Händen von Fin Greenall selbst. Unterschiedliche Spielorte bleiben hörbar, doch das Gesamtbild ist geschlossen und konsistent, eine Sammlung lebendiger Konzerterlebnisse, die zugleich wohnzimmertauglich ist. Die Doppel-LP im Gatefold, ergänzt mit einem 32-seitigen Booklet voller Tourfotos und Hintergrundinformationen, unterstreicht den Anspruch, diese Musik als eigenständiges Werk zu präsentieren.
´Wheels Turn Beneath My Feet II´ ist mehr als eine Fortsetzung. Das Album zeigt einen Künstler, der sein Material kennt, ihm vertraut und es über Jahre verfeinert hat. Für langjährige Hörer fügt sich diese Veröffentlichung nahtlos ein, während sie Neueinsteigern einen konzentrierten Zugang zu FINKs Liveästhetik eröffnet. Angesichts der Geschichte des ersten Teils dürfte jedoch auch diese Edition nicht lange leicht verfügbar bleiben.



